Gerüstbau-Lexikon

127 Fachbegriffe aus dem Gerüstbau – von Gerüstarten und Bauteilen über Normen, Last- und Breitenklassen bis zu Genehmigung und Förderung. Jeder Eintrag ist einzeln verlinkbar; die Kurzdefinitionen werden nach und nach auch als Fußnoten in unseren Ratgeber-Beiträgen verwendet.

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3D-Gebäudemodell (LoD2) Klassen & Kennwerte #

Digitales Gebäudemodell mit standardisierten Dachformen (Level of Detail 2). Aus LoD2-Daten lassen sich First- und Traufhöhen flächendeckend auswerten – eine Orientierungsgröße für die Gerüstplanung.

Die Detailstufen digitaler Stadtmodelle reichen vom einfachen Klötzchenmodell mit Flachdach (LoD1) über LoD2 mit vereinfachten Dachformen bis zu LoD3 mit Fassadendetails. In Bayern erzeugt die Vermessungsverwaltung die LoD2-Modelle aus Befliegungs- und Katasterdaten und stellt sie als offene Daten (CC BY 4.0) bereit. Für die Gerüstpraxis liefern die Modelle statistische Höhenverteilungen ganzer Orte; das konkrete Aufmaß am Objekt ersetzen sie nicht.

Auch: LoD2

A

Absperrung Sicherheit & Betrieb #

Einrichtung, die Gefahren- und Arbeitsbereiche am Gerüst gegen unbefugtes Betreten abgrenzt – etwa Bauzäune, Gitter oder markierte Sperrbereiche unter Montage- und Anlieferzonen.

Während des Auf-, Um- und Abbaus wird der Bereich unter dem Gerüst abgesperrt, weil dort mit herabfallenden Teilen zu rechnen ist. Im öffentlichen Raum verlangen Behörden zusätzlich Kennzeichnung der Absperrung; bei Dunkelheit muss sie beleuchtet und erkennbar sein. Die Absperrung ergänzt Schutzdächer und Netzbekleidungen, ersetzt sie aber nicht.

Absturzhöhe Sicherheit & Betrieb #

Höhenunterschied zwischen der Absturzkante eines Arbeitsplatzes oder Verkehrswegs und der tiefer liegenden Aufprallfläche. Am Gerüst ist Seitenschutz spätestens ab 2 m Absturzhöhe Pflicht.

Die Absturzhöhe entscheidet, welche Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Bei Dacharbeiten wird sie ab der Traufe gemessen: Beträgt sie dort mehr als 2,00 m und liegt die Dachneigung über 22,5° (bis 60°), ist nach dem Baustein B 121 der BG BAU ein Dachfanggerüst anzuordnen. Je größer die Absturzhöhe, desto schwerer wiegen Mängel an Seitenschutz oder Belägen.

Absturzsicherung Sicherheit & Betrieb #

Technische Schutzeinrichtung, die den Absturz von Personen von hochgelegenen Arbeitsplätzen verhindert – am Gerüst vor allem der dreiteilige Seitenschutz. Sie hat nach TRBS 2121 Vorrang vor Auffangeinrichtungen und PSAgA.

Als Absturzsicherungen gelten Einrichtungen wie Geländer, Seitenschutz oder Abdeckungen, die auftretende Kräfte aufnehmen und ableiten. Auf Gerüstbelägen ist der Seitenschutz aus Geländerholm, Zwischenholm und Bordbrett auf jeder Arbeitsebene erforderlich, spätestens ab 2 m Absturzhöhe. Erst wenn eine Absturzsicherung technisch nicht möglich ist, dürfen nachrangige Maßnahmen wie Fanggerüste, Schutznetze oder persönliche Schutzausrüstung eingesetzt werden.

Altbau Klassen & Kennwerte #

Sammelbegriff für Gebäude älterer Baujahrgänge, kein fester Rechtsbegriff. Im Sanierungskontext meist Bestände aus der Zeit vor 1979 mit erhöhtem Bedarf an Fassaden-, Dämm- und Dachsanierung.

Für die Einrüstung prägen den Altbau typischerweise Engstellen bei Zugang und Anlieferung, empfindliche Oberflächen und verwinkelte Fassadengeometrien. Wo Rahmengerüste an ihre Rastergrenzen stoßen – etwa an Gründerzeitfassaden mit Erkern und Rücksprüngen – kommen Modul- oder Stahlrohr-Kupplungsgerüste zum Einsatz. Schutzwünsche und Engstellen sollten früh benannt werden, damit Kalkulation und Ablauf belastbar bleiben.

Anfahrts-/Logistikpauschale Kosten & Förderung #

Pauschale für den Transport von Gerüstmaterial und Montagekolonne zur Baustelle. In Bayern 2026 sind regional etwa 80 bis 250 Euro üblich; liegt der Betrieb weit von der Baustelle entfernt, steigt der Betrag.

Innerhalb von Ballungsräumen wie dem Großraum München sind Anfahrt und Material tendenziell teurer als im ländlichen Raum. Beim Angebotsvergleich lohnt der Blick, ob die Pauschale bereits im Gesamtpreis enthalten ist oder später als Nachtrag auftaucht – ein günstiger Grundpreis ohne Anfahrt kann am Ende teurer sein als ein Komplettangebot.

Auch: Transportpauschale

Anlieferzone Sicherheit & Betrieb #

Festgelegter Bereich, in dem Gerüstmaterial und Baustoffe angeliefert, entladen und zwischengelagert werden. Eine früh definierte Anlieferzone stabilisiert Logistik und Bauablauf.

Bei der Planung werden Zufahrt, Stellfläche für das Lieferfahrzeug und kurze Wege zu den Einbaustellen berücksichtigt; beengte Zufahrten oder fehlende Stellflächen erhöhen den Montageaufwand spürbar. Liegt die Zone im öffentlichen Straßenraum, sind eine Sondernutzungserlaubnis und gegebenenfalls eine Halteverbotszone erforderlich. Klare Zuständigkeiten für Freihaltung und Nutzung der Zone vermeiden Verzögerungen bei Auf- und Abbau.

Arbeitsgerüst Gerüstarten #

Gerüst, das Arbeitsplätze und Zugänge für Arbeiten am Bauwerk bereitstellt. Anforderungen, Bemessung und die Lastklassen LK1 bis LK6 regelt DIN EN 12811-1.

Die Lastklasse gibt an, welche Flächenlast der Belag aufnehmen darf – von 0,75 kN/m² für reine Begehung und Sichtkontrolle (LK1) bis 6,00 kN/m² für sehr schwere Materiallagerung (LK6). Hinzu kommen die Breitenklassen W06 bis W24 für die nutzbare Belagbreite; im Fassadenbau sind W06 bis W12 üblich. Für allgemeine Arbeiten ist LK3 mit 2,00 kN/m² der übliche Standard; wer Material auf dem Belag lagert, braucht eine höhere Klasse.

Arbeitslage Bauteile & Verbindungstechnik #

Nutzbare Ebene eines Gerüsts aus lückenlos verlegten Belägen mit Seitenschutz. Höhere Fassadengerüste besitzen mehrere Arbeitslagen übereinander, die über Leitergänge verbunden sind.

Ab etwa zwei Geschossen Gebäudehöhe wird ein Fassadengerüst üblicherweise mit mehreren Arbeitslagen gestellt. Jede Lage darf nur bis zur Flächenlast ihrer Lastklasse nach DIN EN 12811-1 belastet werden; der dreiteilige Seitenschutz gehört auf jede Arbeitsebene. Die Zahl der benötigten Lagen bestimmt Materialeinsatz, Montagezeit und damit den Preis der Einrüstung mit.

Auch: Gerüstlage

Art. 18 BayStrWG Recht & Genehmigung #

Zentrale Vorschrift des Bayerischen Straßen- und Wegegesetzes zur Sondernutzung: Wer eine Straße über den Gemeingebrauch hinaus nutzt, braucht eine Erlaubnis – und diese darf nur auf Zeit oder auf Widerruf erteilt werden.

Für Gerüste auf Gehweg oder Fahrbahn heißt das: Eine unbefristete Genehmigung existiert nicht. Verfahren und Gebühren konkretisieren die Gemeinden in eigenen Sondernutzungssatzungen, abgerechnet wird meist nach Fläche und Zeit. München etwa berechnet für die Baustelleneinrichtung inklusive Gerüst 1,50 Euro je angefangenem Quadratmeter und angefangener Woche, in der Innenstadt und am Mittleren Ring mit 50 Prozent Zuschlag.

Auf- und Abbau (Montagekosten) Kosten & Förderung #

Kernposition jeder Gerüstrechnung: Lieferung, Montage und späterer Abbau des Gerüsts. In Bayern 2026 üblich sind 7 bis 12 Euro pro m² Gerüstfläche; eine Grundstandzeit von rund drei bis vier Wochen ist meist enthalten.

Der Quadratmeterpreis allein sagt wenig aus, denn der Montageaufwand variiert stark: Hanglagen, enge Reihenhauszeilen, weiche Böden oder zusätzliche Verankerungen in größerer Höhe treiben die Kosten. Beim Angebotsvergleich sollte geprüft werden, ob Anfahrt, definierte Standzeit und Schutzmaßnahmen im Preis enthalten sind oder später als Nachträge auftauchen.

Aufbau- und Verwendungsanleitung Normen & Regelwerk #

Herstellerspezifische Anleitung für Auf-, Um- und Abbau sowie die bestimmungsgemäße Verwendung eines Gerüsts. Ihre Vorgaben – etwa das Verankerungsraster – sind für die Montage verbindlich.

Der Gerüstersteller baut das Gerüst nach der AuV auf; das darin festgelegte, höhen- und windlastabhängige Verankerungsraster bestimmt Anzahl und Abstand der Wandanker. Wer den Rahmen der Anleitung und der Regelausführung verlässt – etwa bei größeren Höhen oder Sonderkonstruktionen –, muss die Standsicherheit im Einzelfall gesondert nachweisen.

Auch: AuV

Aufstieg / innenliegender Leitergang Bauteile & Verbindungstechnik #

Sicherer Zugang zu den Gerüstlagen, im Fassadengerüst üblicherweise als innenliegender Leitergang mit Durchstiegsklappen in den Belagtafeln ausgeführt.

Die Durchstiegsklappen werden nach dem Durchstieg geschlossen, damit die Belagfläche geschlossen bleibt und keine Absturzöffnung entsteht. Für höhere Gerüste oder häufigen Personen- und Materialverkehr kommen außenliegende Treppentürme als gesonderte Bauteile in Betracht. Am Aufstieg befindet sich üblicherweise auch die Kennzeichnung des Gerüsts mit Freigabe und letzter Prüfung.

Auch: Leitergang

B

Bauabschnitt Sicherheit & Betrieb #

Räumlich oder zeitlich abgegrenzter Teil eines Bauvorhabens. Im Gerüstbau erlaubt die abschnittsweise Einrüstung, Aufbau, Nutzung und Rückbau je Abschnitt getrennt zu planen und abzurechnen.

Bei größeren Projekten wird die Fassade häufig in Bauabschnitte gegliedert: Ein Abschnitt wird eingerüstet, bearbeitet, freigemeldet und zurückgebaut oder umgerüstet, während der nächste beginnt. Das reduziert die gleichzeitig vorgehaltene Gerüstfläche und die Standzeitkosten, verlangt aber saubere Übergaben zwischen den Etappen und Gewerken. Unklare Abschnittsgrenzen gehören zu den typischen Auslösern von Nachträgen.

Baudenkmal Recht & Genehmigung #

Bauliche Anlage aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen geschichtlicher, künstlerischer, städtebaulicher, wissenschaftlicher oder volkskundlicher Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt (Art. 1 BayDSchG).

Maßnahmen an Baudenkmälern sind nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz erlaubnispflichtig; das betrifft auch scheinbar untergeordnete Eingriffe wie Gerüstverankerungen in einer historischen Fassade. In der Praxis werden Ankerpunkte, Kontaktstellen und Schutzvorkehrungen vorab mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abgestimmt; bei empfindlicher Substanz kommen frei stehende oder besonders schonend verankerte Konstruktionen in Betracht. Ob ein Gebäude als Baudenkmal erfasst ist, zeigt die Bayerische Denkmalliste.

Baugenehmigungsstatistik Klassen & Kennwerte #

Amtliche Statistik der von den Bauaufsichtsbehörden genehmigten Bauvorhaben und Wohnungen, erhoben von den Statistischen Landesämtern. Sie zeigt die anstehende Bautätigkeit („Bau-Pipeline“) einer Gemeinde.

Erfasst werden unter anderem genehmigte Wohnungen in neuen Wohngebäuden sowie Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden. Für den Gerüstbau ist die Zahl ein Frühindikator: Heute genehmigte Wohnungen sind die Rohbauten und Fassadenarbeiten der kommenden Jahre. Auf Gemeindeebene sind die Ergebnisse über die Regionaldatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder abrufbar.

Bayerische Vermessungsverwaltung Klassen & Kennwerte #

Amtliche Vermessungsverwaltung des Freistaats Bayern. Sie gibt unter anderem die 3D-Gebäudemodelle (LoD2) heraus, aus denen sich First- und Gebäudehöhen ganzer Orte auswerten lassen.

Viele Geobasisdaten – darunter die LoD2-Gebäudemodelle – stellt die Verwaltung als offene Daten unter der Lizenz CC BY 4.0 über geodaten.bayern.de bereit. Aus den Gebäudemodellen lassen sich Höhenverteilungen ganzer Orte statistisch auswerten, was eine erste Einordnung typischer Gerüsthöhen erlaubt. Fachbehörde ist das Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (LDBV) mit den regionalen Ämtern für Digitalisierung, Breitband und Vermessung.

Auch: LDBV

Befähigte Person Sicherheit & Betrieb #

Person, die durch Berufsausbildung, Berufserfahrung und zeitnahe berufliche Tätigkeit über die erforderlichen Kenntnisse zur Prüfung von Arbeitsmitteln verfügt (§ 2 BetrSichV). Im Gerüstbau prüft sie das Gerüst vor der Freigabe.

Neben der Prüfung nach der Montage ist die befähigte Person auch nach außergewöhnlichen Ereignissen gefragt – die TRBS 2121 nennt Stürme, starke Regenfälle, Vereisungen, starke Schneefälle und längere Zeiträume der Nichtbenutzung. Jede Prüfung wird dokumentiert (Prüfprotokoll). Wer ein Gerüst selbst aufbaut, das gewerbliche Nutzer betreten, braucht ebenfalls eine befähigte Person für Prüfung und Freigabe.

Auch: Zur Prüfung befähigte Person

BEG Kosten & Förderung #

Bundesförderung für effiziente Gebäude – das zentrale staatliche Förderprogramm für energetische Sanierung. Seit dem 21. Juli 2026 gelten reformierte Konditionen nach der finalen Förderrichtlinie vom 17. Juli 2026.

Für Wohngebäude besteht die BEG aus zwei Säulen: Zuschüssen des BAFA für Einzelmaßnahmen (BEG EM), etwa die Fassadendämmung, und KfW-Krediten mit Tilgungszuschuss für die Komplettsanierung zum Effizienzhaus. Mit der Reform wurde der iSFP-Bonus neu berechnet und die KfW-Tilgungszuschüsse wurden gekürzt; der Grundfördersatz von 15 Prozent für die Gebäudehülle blieb bestehen. Die Förderung steht unter Haushaltsvorbehalt.

Auch: Bundesförderung für effiziente Gebäude

BEG EM Kosten & Förderung #

Programmteil „Einzelmaßnahmen“ der BEG: Das BAFA bezuschusst u. a. die Dämmung der Gebäudehülle mit 15 Prozent der förderfähigen Ausgaben; mit iSFP steigt der Kostendeckel von 30.000 auf 60.000 Euro je Wohneinheit.

Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn gestellt werden – als Beginn gilt bereits die Unterschrift unter den Bauvertrag, sofern dieser keine aufschiebende oder auflösende Förderbedingung enthält. Pflicht ist die Einbindung eines Energieeffizienz-Experten; die Dämmung muss technische Mindestanforderungen erfüllen (Außenwand: U-Wert max. 0,20 W/(m²·K)). Seit dem 21. Juli 2026 gilt der iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten nur noch für den Ausgabenanteil oberhalb von 30.000 Euro; der maximale Zuschuss am Einfamilienhaus beträgt damit 10.500 Euro.

Auch: BEG Einzelmaßnahmen

Belag / Gerüstbohle Bauteile & Verbindungstechnik #

Begehbare Fläche einer Gerüstlage aus Bohlen oder Systemtafeln. Beläge werden lückenlos verlegt, gegen Abheben gesichert und nur bis zur Flächenlast ihrer Lastklasse nach DIN EN 12811-1 belastet.

Die Lastklassen reichen von LK1 (0,75 kN/m², reine Begehung) bis LK6 (6,00 kN/m², sehr schwere Materiallagerung); für allgemeine Arbeitsgerüste ist LK3 mit 2,00 kN/m² üblich. Der lichte Abstand zwischen Belagkante und Fassade darf höchstens 0,30 m betragen, sonst muss die Innenseite zusätzlich gesichert werden. Das eigenmächtige Herausnehmen von Belägen durch Gerüstnutzer ist unzulässig.

Auch: Gerüstboden, Belagfläche

BetrSichV Normen & Regelwerk #

Die Betriebssicherheitsverordnung bildet den rechtlichen Rahmen für die Bereitstellung und Benutzung von Arbeitsmitteln – dazu zählen auch Gerüste. Für Gerüste wird sie durch die TRBS 2121 konkretisiert.

Sobald Beschäftigte auf einem Gerüst arbeiten, gelten ihre Anforderungen an Gefährdungsbeurteilung, fachgerechte Errichtung und Prüfung. Zusammen mit den Technischen Regeln und den DIN-EN-Normen löste die Verordnung die früheren berufsgenossenschaftlichen Gerüstregeln (BGR 165–174) ab.

Auch: Betriebssicherheitsverordnung

BGR 165–174 Normen & Regelwerk #

Historische berufsgenossenschaftliche Regelreihe zum Gerüstbau, u. a. BGR 166 (Systemgerüste) und BGR 167 (Stahlrohr-Kupplungsgerüste). Die Regeln sind zurückgezogen; heute gelten BetrSichV, TRBS 2121 und DIN-EN-Normen.

Die Reihe behandelte jede Gerüstart einzeln – vom allgemeinen Teil (BGR 165) über Fahrgerüste (BGR 172) bis zu Hängegerüsten (BGR 174); die frühere Bezeichnung lautete „ZH 1/…“, die Ausgaben stammen überwiegend aus den Jahren 2000 bis 2002. Ihre konstruktiven Inhalte gingen in die harmonisierten EN-Normen über, die Anforderungen an Bereitstellung und Benutzung ins Arbeitsschutzrecht. Die alten Texte dienen nur noch der Dokumentation.

Auch: BG-Regeln Gerüstbau

Bockgerüst Gerüstarten #

Einfaches Arbeitsgerüst aus Gerüstböcken mit aufgelegten Belägen für Arbeiten in geringer Höhe, etwa beim Verputzen oder im Innenausbau.

Zulässig sind nur dafür vorgesehene Gerüstböcke mit ausreichend breiten, gesicherten Belägen; improvisierte Konstruktionen aus Brettern, Kisten oder Leitern sind kein zulässiger Gerüstersatz und ein erhebliches Unfallrisiko. Auch für das Bockgerüst gelten die allgemeinen Anforderungen an Arbeitsgerüste.

Bordbrett Bauteile & Verbindungstechnik #

Senkrecht am Belagrand stehendes Brett als unterster Teil des dreiteiligen Seitenschutzes. Es verhindert, dass Füße, Werkzeug oder Material über die Belagkante in die Tiefe rutschen.

Bordbretter schützen damit nicht nur die Beschäftigten auf dem Gerüst, sondern auch Personen darunter vor herabfallenden Gegenständen. Zusammen mit Geländer- und Zwischenholm gehören sie zur Standardausstattung jeder Arbeitsebene eines Fassadengerüsts.

Brauchbarkeitsnachweis Klassen & Kennwerte #

Einzelfallnachweis für Gerüste, die von der Regelausführung abweichen (Nicht-Regelausführung). Er belegt die Standsicherheit sowie die Arbeits- und Betriebssicherheit der konkreten Konstruktion, bevor das Gerüst genutzt werden darf.

Erforderlich wird er, sobald ein Gerüst die Grenzen der Regelausführung verlässt – bei größeren Höhen, ungewöhnlichen Lasten oder Sonderkonstruktionen. Besonders häufig betroffen sind frei geplante Stahlrohr-Kupplungsgerüste, deren Flexibilität schnell aus dem genormten Rahmen führt. Innerhalb der Regelausführung entfällt er, weil dort der Standsicherheitsnachweis als erbracht gilt.

Breitenklasse Klassen & Kennwerte #

Klassifizierung der nutzbaren Belagbreite eines Arbeitsgerüsts nach DIN EN 12811-1. W06 steht für 0,60 bis unter 0,90 m, W09 für 0,90 bis unter 1,20 m; im Fassadenbau sind W06 bis W12 üblich.

Für Maler-, Putz- und Standard-WDVS-Arbeiten genügt meist W06. Sobald dicke Dämmplatten, Fensterbänke und Mörtelkübel gleichzeitig auf dem Belag liegen, bietet W09 mehr Arbeitsbreite. Materiallagerung sowie Klinker- und Vormauerarbeiten erfordern breitere Beläge ab W12 (1,20 bis unter 1,50 m). Die Norm definiert insgesamt sieben Klassen von W06 bis W24 (ab 2,40 m).

D

Dachfanggerüst Gerüstarten #

Schutzgerüst an der Traufe, das bei Dacharbeiten abrutschende Personen auffängt. Nach Baustein B 121 der BG BAU erforderlich bei Dachneigung über 22,5° bis 60° und mehr als 2,00 m Absturzhöhe ab der Traufe.

Kernstück ist die Schutzwand aus Netzen oder Geflechten, die in vorgeschriebener Höhe über die Traufkante hinausragt; auch der Abstand zwischen Belag und Traufe ist begrenzt. Ein normales Fassadengerüst auf gleicher Höhe erfüllt diese Fangfunktion nicht. Bei noch steileren Dächern über 60° Neigung sind weitergehende Sicherungsmaßnahmen erforderlich.

Dachform Klassen & Kennwerte #

Geometrie des Dachs – etwa Sattel-, Walm-, Pult- oder Flachdach. Sie bestimmt Traufhöhen, die Anordnung von Dachfanggerüsten und den Aufwand der Einrüstung mit.

Bei geneigten Dächern über 22,5° ist ab 2 m Absturzhöhe ein Dachfanggerüst mit Schutzwand an der Traufe vorzusehen; bei flacher geneigten Dächern genügen in der Regel Seitenschutz oder ein Fanggerüst. Komplexe Dachformen mit Gauben, versetzten Trauflinien oder mehreren Dachseiten erhöhen den Aufwand und werden sinnvollerweise früh in Etappen gegliedert; in PV-Checklisten wird die Dachform samt Gauben deshalb explizit abgefragt.

Dachsanierung Kosten & Förderung #

Erneuerung von Dacheindeckung, Dachdämmung oder Dachstuhl – einer der häufigsten Anlässe für ein Gerüst. Typisch sind Dachfanggerüst an der Traufe und bei geöffnetem Dach ein Wetterschutzdach.

Bei Dachneigungen über 22,5° und mehr als 2 m Absturzhöhe ab der Traufe ist nach Baustein B 121 der BG BAU ein Dachfanggerüst erforderlich; die Gerüstwahl richtet sich daneben nach Traufhöhe, Dachform und Standzeit – oft ist ein aufwändigeres Standgerüst statt eines Fahrgerüsts nötig. Wird das Dach energetisch saniert, ist die Maßnahme als BEG-Einzelmaßnahme förderfähig (U-Wert der Dachfläche höchstens 0,14 W/(m²·K)); das Gerüst zählt dann als Umfeldmaßnahme zu den förderfähigen Kosten.

Denkmalliste Recht & Genehmigung #

Vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) geführtes Verzeichnis der Bau- und Bodendenkmäler nach Art. 2 BayDSchG. Die Eintragung erfolgt nachrichtlich – der Schutz besteht unabhängig vom Listeneintrag.

Weil die Denkmaleigenschaft in Bayern nicht von der Eintragung abhängt, kann auch ein noch nicht gelistetes Gebäude Baudenkmal sein; die fortlaufend aktualisierte Liste dient Behörden und Eigentümern als Arbeitsgrundlage und ist online über den Bayerischen Denkmal-Atlas einsehbar. Für Gerüstarbeiten ist der Listenstatus ein frühes Signal: An eingetragenen Objekten sind Verankerungen und Schutzmaßnahmen vorab mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abzustimmen.

Auch: Bayerische Denkmalliste

Denkmalsanierung Recht & Genehmigung #

Instandsetzung geschützter Bausubstanz unter denkmalrechtlichen Auflagen. In Bayern sind viele Maßnahmen an Baudenkmälern nach dem BayDSchG erlaubnispflichtig und mit der Denkmalschutzbehörde abzustimmen.

Für das Gerüst bedeutet der Denkmalstatus vor allem: Verankerungen in historischer Substanz – etwa Sandstein- oder Stuckfassaden – sind vorab mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abzustimmen, Kontaktpunkte werden minimiert und empfindliche Flächen vor Beginn dokumentiert. Häufig kommen Schutzgerüste und zusätzliche Schutzmaßnahmen an Übergängen und Randzonen hinzu. Grundlage der Denkmaleigenschaft ist in Bayern die Denkmalliste des Landesamts für Denkmalpflege (BLfD).

DGUV Information 201-011 Normen & Regelwerk #

DGUV-Schrift „Verwendung von Arbeits-, Schutz- und Montagegerüsten“ (Ausgabe Januar 2023) – die praktische Handlungsanleitung für Gerüstersteller und Gerüstverwender im heute gültigen Regelwerk.

Sie beschreibt unter anderem die Aufgabenteilung zwischen Gerüstersteller (Aufbau nach Anleitung, Prüfung, Freigabe und Kennzeichnung) und Verwender (Inaugenscheinnahme vor der Benutzung, Mängel melden statt umbauen). Inhaltlich trat sie an die Stelle der zurückgezogenen berufsgenossenschaftlichen Gerüstregeln.

Diagonale / Aussteifung Bauteile & Verbindungstechnik #

Schräg verlaufendes Gerüstrohr oder Systembauteil, das das Gerüst gegen seitliches Verschieben aussteift. Ohne ausreichende Diagonalen ist ein Gerüst nicht standsicher.

Im Systemgerüst werden Diagonalen nach dem Muster der Aufbau- und Verwendungsanleitung eingehängt, im Stahlrohr-Kupplungsgerüst mit Drehkupplungen angeschlossen, wenn der Winkel keine Normalkupplung zulässt. Das festgelegte Muster aus Aussteifung und Verankerung gehört zur Regelausführung, mit der der Standsicherheitsnachweis ohne gesonderte Statik als erbracht gilt.

DIN 18451 Normen & Regelwerk #

ATV „Gerüstarbeiten“ der VOB Teil C. Mit der Ausgabe 2023-09 ist die frühere vierwöchige Grundeinsatzzeit entfallen; die Gebrauchsüberlassung wird seither als einheitliche Leistung je angefangener Woche abgerechnet.

Die oft zitierte „4 Wochen Grundeinsatzzeit nach VOB“ ist damit seit Oktober 2023 veraltet. In der Praxis enthalten Angebote dennoch meist drei bis vier Wochen Standzeit inklusive; danach kostet jede weitere Woche extra. Die Überlassung endet üblicherweise erst mit der schriftlichen Freimeldung an den Gerüstbauer – wer nicht freimeldet, zahlt weiter.

DIN 4420 Normen & Regelwerk #

Nationale deutsche Norm „Arbeits- und Schutzgerüste“, die die europäischen Gerüstnormen ergänzt. Teil 1 (DIN 4420-1) regelt Schutzgerüste – Leistungsanforderungen, Entwurf, Konstruktion und Bemessung.

Während DIN EN 12810 und DIN EN 12811 die harmonisierten Anforderungen an System- und Arbeitsgerüste enthalten, deckt DIN 4420-1 ergänzend den national geregelten Bereich der Schutzgerüste ab – etwa Fanggerüste, die abstürzende Personen an Absturzkanten auffangen sollen.

DIN EN 12810 Normen & Regelwerk #

Europäische Norm für Fassadengerüste aus vorgefertigten Bauteilen (Systemgerüste). Sie regelt die Anforderungen an herstellerspezifisch zugelassene Gerüstsysteme mit festen Rastermaßen.

Anders als beim systemfreien Stahlrohr-Kupplungsgerüst sind die Bauteile eines Systemgerüsts herstellerspezifisch zugelassen und nicht beliebig mit Fremdmaterial kombinierbar. Die Norm wird durch DIN EN 12811 (Leistungsanforderungen an Arbeitsgerüste) ergänzt; gemeinsam lösten beide die frühere nationale Regelung ab.

DIN EN 12811 Normen & Regelwerk #

Europäische Norm für Arbeitsgerüste. Teil 1 legt Leistungsanforderungen, Konstruktion und Bemessung fest – darunter die Lastklassen LK1 bis LK6 (0,75 bis 6,00 kN je m² Belagfläche) und die sieben Breitenklassen W06 bis W24.

Die Lastklasse beschreibt, wie viel Gewicht je Quadratmeter Belagfläche aufgebracht werden darf – von der reinen Begehung (LK1) bis zur schweren Materiallagerung (LK6). Für Maler- und Putzarbeiten genügt üblicherweise LK3, für Maurerarbeiten mit Materiallagerung LK4 bis LK5. Zusammen mit DIN EN 12810 bildet die Norm das technische Fundament des heute EU-weit harmonisierten Gerüst-Regelwerks.

DIN EN 39 Normen & Regelwerk #

Norm für systemunabhängige Stahlrohre für Trag- und Arbeitsgerüste. Sie legt den einheitlichen Außendurchmesser von 48,3 mm und Wanddicken von 3,2 oder 4,0 mm fest und löste die nationale DIN 4427 ab.

Werkstoff ist unlegierter Baustahl S235 (früher St 37). Die Wanddicke ist für Stahlrohr-Kupplungsgerüste entscheidend: Nach der historischen Regel sind mit 3,2 mm Gerüsthöhen bis 20 m, mit 4,0 mm bis 30 m zulässig. Da die Rohre systemneutral genormt sind, lässt sich Material verschiedener Hersteller grundsätzlich kombinieren.

DIN EN 74 Normen & Regelwerk #

Normenreihe „Kupplungen, Zentrierbolzen und Fußplatten“ für den Gerüstbau: Teil 1 regelt Rohrkupplungen, Teil 2 Spezialkupplungen, Teil 3 Fußplatten und Zentrierbolzen.

Die zulässigen Lasten einer Kupplung hängen von ihrer Klasse und vom Prüfzeugnis des Herstellers ab; eine rechtwinklige Normalkupplung trägt deutlich mehr als eine Dreh- oder Stoßkupplung. Maßgebend ist die Norm vor allem für Stahlrohr-Kupplungsgerüste, bei denen jede Verbindung einzeln über eine Kupplung hergestellt wird.

Doppelhaushälfte Klassen & Kennwerte #

Wohngebäude, das an einer Seite direkt an die zweite Haushälfte grenzt – eine der Bauweise-Kategorien des Zensus. Eingerüstet werden nur drei Seiten; an der Grenzseite entscheidet die Abstimmung mit dem Nachbarn.

Die Trennwand steht auf der Grundstücksgrenze; ragt das Gerüst für Dach- oder Fassadenarbeiten auf das Nachbargrundstück, braucht es dessen Gestattung – oder es greift das Hammerschlags- und Leiterrecht (in Bayern Art. 46b AGBGB) mit Ankündigungsfrist und gegebenenfalls Entschädigung. Sinnvoll ist zudem, Maßnahmen wie eine Dachsanierung beider Hälften zu koordinieren: Eine gemeinsame Einrüstung spart Anfahrten und Standzeit.

Drehkupplung Bauteile & Verbindungstechnik #

Kupplung mit Drehgelenk, die zwei Gerüstrohre in beliebigem Winkel verbindet. Sie wird für Diagonalen und Aussteifungen eingesetzt, wo eine rechtwinklige Normalkupplung nicht möglich ist.

Wegen des Gelenks liegt das Tragverhalten deutlich unter dem der Normalkupplung; Drehkupplungen sollen deshalb nur dort verwendet werden, wo der Kreuzungswinkel eine Normalkupplung ausschließt. Anforderungen und Prüfungen regelt die Normreihe DIN EN 74.

E

Effizienzhaus Kosten & Förderung #

Förderstandard der KfW für die Komplettsanierung: Die Kennzahl (z. B. Effizienzhaus 55) beschreibt den Energiebedarf im Verhältnis zu einem gesetzlich definierten Referenzgebäude – je kleiner die Zahl, desto effizienter das Haus.

Gefördert wird die Sanierung zum Effizienzhaus über den KfW-Kredit 261 mit bis zu 150.000 Euro je Wohneinheit plus Tilgungszuschuss. Seit dem 21. Juli 2026 werden nur noch Effizienzhaus-Stufen mit Erneuerbare-Energien- (EE) oder Nachhaltigkeits-Klasse (NH) gefördert – aus dem früheren Bonus ist eine Voraussetzung geworden. Für Baudenkmale existiert die eigene Stufe „Effizienzhaus Denkmal“.

Einfamilienhaus Klassen & Kennwerte #

Wohngebäude mit nur einer Wohnung, im Zensus meist als freistehendes Haus erfasst. Für Fassaden- oder Dacharbeiten wird es in der Regel umlaufend eingerüstet – die häufigste Einrüstsituation im ländlichen Raum.

Beim freistehenden Einfamilienhaus sind alle Seiten zugänglich, was Aufbau und Materialwege vereinfacht; typische Anlässe sind Dachsanierung, Fassadenanstrich, WDVS-Dämmung und PV-Montage. Mit zwei Vollgeschossen kommt ein umlaufendes Fassadengerüst schnell auf 250 bis 350 m² Gerüstfläche. Für punktuelle Arbeiten in geringer Höhe, etwa an Dachrinne oder Giebel, genügt dagegen oft ein Fahrgerüst.

Einhausung Sicherheit & Betrieb #

Vollständige Umschließung eines Gerüsts oder Bauwerksteils mit Planen oder Netzen. Sie hält Staub, Lärm und Witterung von Umgebung und Arbeitsbereich fern.

Üblich ist die Einhausung bei staubintensiven Arbeiten, empfindlicher Nachbarschaft oder besonderem Witterungsschutzbedarf; im Standardfall ist sie nicht automatisch nötig, sondern wird nach dem Schutzbedarf des Projekts entschieden. Die Bekleidung vergrößert die Windangriffsfläche des Gerüsts erheblich, weshalb Verankerung und Standsicherheit von Anfang an darauf ausgelegt sein müssen. Einhausungen zählen zu den gesondert zu vereinbarenden Zusatzleistungen.

Einrüstung Kosten & Förderung #

Das vollständige Versehen eines Gebäudes oder Bauteils mit einem Arbeitsgerüst. Abgerechnet wird meist pro Quadratmeter Gerüstfläche – also der abgewickelten Fassade aus Länge mal Gerüsthöhe, nicht nach Wohnfläche.

Ein freistehendes Einfamilienhaus mit zwei Vollgeschossen kommt schnell auf 250 bis 350 m² Gerüstfläche; bei einem Reihenmittelhaus, bei dem nur eine Seite eingerüstet wird, können es deutlich unter 150 m² sein. Giebel, Erker und Anbauten erhöhen die Fläche. Der Preis der Einrüstung hängt neben der Fläche vor allem von Standzeit, Zugänglichkeit des Grundstücks und Sonderbauteilen wie Dachfanggerüst oder Schutznetzen ab.

Energieeffizienz-Experte (EEE) Kosten & Förderung #

Gelisteter Fachberater für energetische Sanierung, dessen Einbindung bei BEG-Zuschüssen für Dämmmaßnahmen Pflicht ist. Die bundesweite Expertenliste ist unter energie-effizienz-experten.de abrufbar.

Der Experte begleitet die Antragstellung beim BAFA, bestätigt die fachgerechte Ausführung der Maßnahme und erstellt auf Wunsch den individuellen Sanierungsfahrplan. Für den Steuerbonus nach § 35c EStG ist dagegen kein Energieeffizienz-Experte erforderlich – dort genügt die Bescheinigung des ausführenden Fachunternehmens.

Auch: Energieberater (BEG-gelistet)

F

Fachunternehmerbescheinigung (§ 35c EStG) Kosten & Förderung #

Bescheinigung nach amtlichem Muster, mit der das Fachunternehmen eine energetische Maßnahme bestätigt – Voraussetzung für den Steuerbonus nach § 35c EStG: 20 Prozent der Kosten, maximal 40.000 Euro je Objekt.

Der Abzug verteilt sich über drei Steuerjahre (je 7 Prozent im ersten und zweiten, 6 Prozent im dritten Jahr). Bedingungen: Das Gebäude ist ausschließlich selbst bewohnt und bei Umsetzung älter als zehn Jahre, bezahlt wird per Überweisung gegen Rechnung – Barzahlung schließt den Bonus aus. Für dieselbe Maßnahme ist die Kombination mit BAFA-Zuschuss oder zinsverbilligtem KfW-Kredit ausgeschlossen; die Maßnahme muss vor dem 1. Januar 2030 abgeschlossen sein.

Auch: Bescheinigung nach § 35c EStG

Fahrgerüst Gerüstarten #

Fahrbares Gerüst auf Rollen aus vorgefertigten Bauteilen, das ohne Verankerung frei steht und sich versetzen lässt. Anforderungen regelt DIN EN 1004-1; typisch für punktuelle Arbeiten in begrenzter Höhe.

Während der Nutzung sind die Rollen festzustellen; verfahren wird nur ohne Personen und ohne loses Material auf dem Belag – ein Fahrgerüst darf nie mit Personen darauf verschoben werden. Im privaten Bereich ist es die übliche Lösung für punktuelle Arbeiten bis etwa 8 m Höhe, etwa an Giebel oder Dachrinne. Historisch beschrieb die zurückgezogene BGR 172 diese Bauart.

Auch: Rollgerüst, Fahrbare Arbeitsbühne

Fanggerüst Gerüstarten #

Schutzgerüst, das abstürzende Personen von höher gelegenen Arbeitsplätzen auffängt, wenn dort kein Seitenschutz möglich ist. Es dient nicht als Arbeitsplatz, sondern ausschließlich der Absturzsicherung.

Fanggerüste werden unterhalb der Absturzkante angeordnet; Belagbreite und zulässige Höhe der Absturzkante über dem Belag sind begrenzt, damit ein Sturz sicher aufgefangen wird. An der Dachtraufe übernimmt diese Funktion das Dachfanggerüst mit zusätzlicher Schutzwand.

Fassadengerüst Gerüstarten #

Längenorientiertes Arbeitsgerüst, das entlang einer Gebäudefassade errichtet und an ihr verankert wird. Für Wohnhäuser ist meist Lastklasse 3 nach DIN EN 12811-1 ausreichend.

Fassadengerüste werden heute überwiegend als Systemgerüste aus vorgefertigten Bauteilen gestellt; die Leistungsklassen solcher Systeme regelt DIN EN 12810. Wesentlich für die Standsicherheit ist die fortlaufende zug- und druckfeste Verankerung an tragfähigen Bauteilen der Wand nach dem Raster der Aufbau- und Verwendungsanleitung. Je nach Gewerk und Lage kommen Sonderbauteile wie Konsolverbreiterungen, Dachfanglage, Schutzdach oder Treppenturm hinzu.

Firsthöhe Klassen & Kennwerte #

Höhe des Dachfirsts – des obersten Punkts der Dachkonstruktion – über dem Gelände. Sie bestimmt zusammen mit der Traufhöhe, wie hoch ein Gerüst reichen muss und wie viele Arbeitslagen erforderlich sind.

Während die Traufhöhe die maßgebliche Absturzkante für Dacharbeiten markiert, beschreibt die Firsthöhe die Gesamthöhe des Gebäudes bis zur Dachspitze. Aus 3D-Gebäudemodellen (LoD2) lässt sich die Firsthöhe flächendeckend auswerten; sie gibt eine erste Orientierung, ob ein Fahrgerüst genügt oder ein verankertes Standgerüst nötig wird – ab etwa zwei Geschossen ist ein Fassadengerüst mit mehreren Arbeitslagen der Regelfall. Für die konkrete Planung bleiben örtliches Aufmaß und Zugangssituation maßgeblich.

Freimeldung Recht & Genehmigung #

Schriftliche Mitteilung des Auftraggebers an den Gerüstbauer, dass das Gerüst nicht mehr benötigt wird und abgebaut werden kann. Erst mit der Freimeldung endet üblicherweise die wochenweise berechnete Gebrauchsüberlassung.

Wer die Arbeiten abschließt, aber nicht freimeldet, zahlt die Vorhaltung weiter – unabhängig davon, ob noch jemand auf dem Gerüst arbeitet. Die Freimeldung sollte deshalb unmittelbar nach Abschluss des letzten Gewerks erfolgen und aus Beweisgründen schriftlich dokumentiert werden.

Fußspindel / Fußplatte Bauteile & Verbindungstechnik #

Höhenverstellbarer Gerüstfuß (Spindel) mit Fußplatte am unteren Ende der Ständer. Über die Spindeln wird das Gerüst exakt nivelliert, die Fußplatten leiten die Lasten in den Untergrund; Fußplatten regelt DIN EN 74-3.

Vor dem Stellen des ersten Rahmenfelds werden die Fußspindeln mit der Wasserwaage ausgerichtet. Auf weichem Untergrund verteilen zusätzlich unterlegte Bohlen (Lastverteilungsplatten) die Lasten; ein tragfähiger, ebener Untergrund ist Grundvoraussetzung für die Standsicherheit des Gerüsts.

G

Gaube Sicherheit & Betrieb #

Dachaufbau mit eigenem Fenster, der aus der Dachfläche hervortritt. Gauben unterbrechen die Trauflinie und verursachen am Dachfanggerüst zusätzlichen Anpassungs- und Sicherungsaufwand.

Bei Dacharbeiten und PV-Montagen wird deshalb früh abgefragt, ob und wie viele Gauben vorhanden sind: Schutzwände, Fanglagen und Zugänge müssen um den Aufbau herumgeführt werden, teils mit Konsolen oder zusätzlichen Gerüstfeldern. Wird die Gaube selbst saniert – etwa ihre Verkleidung oder Eindeckung –, entsteht dort ein eigener kleiner Arbeitsbereich mit gesonderten Schutzpunkten.

Auch: Dachgaube

Gebäudehöhe Klassen & Kennwerte #

Höhe eines Gebäudes vom Gelände bis zum maßgeblichen Bezugspunkt, etwa dem First. Sie bestimmt Gerüsthöhe, Zahl der Arbeitslagen, Verankerung und Sicherheitsanforderungen wesentlich mit.

Im Bauordnungsrecht dient die Höhe unter anderem der Einstufung in Gebäudeklassen; im Gerüstbau entscheidet sie über die Zahl der Arbeitslagen und das Verankerungsraster. Ab etwa 7 m Firsthöhe – rund zwei Geschossen – wird meist mehrlagig eingerüstet; bei großen Höhen kann der Aufbau die Regelausführung verlassen und einen gesonderten Standsicherheitsnachweis erfordern. Auf Basis amtlicher 3D-Gebäudemodelle (LoD2) lässt sich die Höhenverteilung der Gebäude eines Orts auswerten.

GerüstbAusbV Normen & Regelwerk #

Verordnung über die Berufsausbildung zum Gerüstbauer/zur Gerüstbauerin. Sie regelt Inhalte und Prüfungen der dreijährigen Ausbildung im anerkannten Ausbildungsberuf Gerüstbauer.

Zum Ausbildungsberufsbild gehören unter anderem das Bauen von längen- und flächenorientierten Arbeits- und Schutzgerüsten, Traggerüsten und Hängegerüsten, das Verankern von Gerüsten sowie das Beurteilen von Traggründen und Herstellen der Tragfähigkeit. Die fachliche Qualifikation aus dieser Ausbildung ist eine Grundlage dafür, dass Gerüste fachgerecht errichtet und geprüft werden.

Auch: Gerüstbauer-Ausbildungsverordnung

Gerüstersteller Sicherheit & Betrieb #

Betrieb oder Person, die ein Gerüst auf-, um- oder abbaut. Der Ersteller montiert nach der Aufbau- und Verwendungsanleitung, lässt das Gerüst durch eine befähigte Person prüfen und übergibt es mit Freigabe und Kennzeichnung.

Mit der Freigabe bestätigt der Ersteller die ordnungsgemäße Errichtung und Standsicherheit. Die Grenze zur Verantwortung des Verwenders ist über die Betriebssicherheitsverordnung, die TRBS 2121 und die DGUV Information 201-011 geregelt und gehört auf jeder Baustelle in das Übergabeprotokoll. Umbauten während der Standzeit fallen wieder in die Zuständigkeit des Erstellers oder einer befähigten Person mit erneuter Prüfung.

Auch: Ersteller

Gerüstfläche Klassen & Kennwerte #

Abrechnungsgröße im Gerüstbau: die eingerüstete Fläche in Quadratmetern, in der Regel Länge mal Höhe der Einrüstung. Sie bildet die Basis des Quadratmeterpreises für Auf- und Abbau samt Grundstandzeit.

Ein prüfbares Angebot weist die abgerechnete Fläche nachvollziehbar aus und benennt die enthaltene Standzeit separat; die Verlängerung wird üblicherweise je m² und Woche berechnet. Vertragsgrundlage für Gerüstarbeiten ist häufig die ATV DIN 18451. Sonderbauteile wie Konsolen, Dachfanggerüste, Schutzdächer oder Treppentürme werden gesondert ausgewiesen.

Gerüstfreigabe und Kennzeichnung Sicherheit & Betrieb #

Bestätigung des Erstellers nach bestandener Prüfung, dass das Gerüst benutzt werden darf – als Kennzeichnung am Aufstieg mit Ersteller, Gerüstbauart, Last- und Breitenklasse und Datum der letzten Prüfung.

Die Kennzeichnung bleibt über die gesamte Standzeit Pflicht und muss nach jeder erneuten Prüfung – etwa nach Sturm oder längerer Nichtbenutzung – aktuell gehalten werden. Für Nutzer und Bauherren ist sie das sichtbare Signal, dass das Gerüst geprüft ist; ein monatelang stehendes Gerüst ohne aktuelle Prüfkennzeichnung ist ein Warnsignal. Fehlt die Freigabe, darf ein gewerblicher Nutzer das Gerüst formal nicht betreten.

Auch: Gerüstfreigabe, Prüfkennzeichnung

Gerüstrohr Bauteile & Verbindungstechnik #

Systemunabhängiges Stahlrohr für Trag- und Arbeitsgerüste mit einheitlichem Außendurchmesser von 48,3 mm, geregelt in DIN EN 39. Die Wanddicke beträgt 3,2 oder 4,0 mm und bestimmt die zulässige Gerüsthöhe mit.

Gerüstrohre bestehen aus unlegiertem Baustahl S235 (früher St 37) und werden im Stahlrohr-Kupplungsgerüst frei mit Kupplungen verbunden. Weil die Rohre systemneutral sind, lässt sich Material verschiedener Hersteller kombinieren, sofern es der Norm entspricht – anders als beim Systemgerüst mit herstellerspezifisch zugelassenen Bauteilen. Nach der klassischen Höhenregel sind bei mindestens 3,2 mm Wanddicke Gerüsthöhen bis 20 m zulässig, bei mindestens 4,0 mm bis 30 m.

Gerüstverwender Sicherheit & Betrieb #

Betrieb, dessen Beschäftigte ein von anderen erstelltes Gerüst benutzen. Der Verwender muss sich vor der Benutzung durch eine qualifizierte Person von der Mängelfreiheit überzeugen (Inaugenscheinnahme).

Beschäftigte des Verwenders sind verpflichtet, erkennbare Mängel und Veränderungen zu melden. Eigenmächtige Umbauten sind tabu: Wer einen Belag herausnimmt, ein Geländer entfernt oder einen Anker löst, übernimmt die Verantwortung für diesen Eingriff. Nutzen mehrere Gewerke dasselbe Gerüst, muss sich jedes vor dem Gebrauch erneut von der Mängelfreiheit überzeugen – die Prüfung des Vorgängers genügt nicht.

Auch: Verwender, Gerüstnutzer

Geschoss Klassen & Kennwerte #

Ebene eines Gebäudes zwischen zwei Decken. Die Geschosszahl ist eine zentrale Planungsangabe im Gerüstbau: Ab etwa zwei Geschossen wird ein Fassadengerüst mit mehreren Arbeitslagen gestellt.

Wann ein Geschoss bauordnungsrechtlich als Vollgeschoss zählt, regelt das jeweilige Landesrecht. Für die Gerüstanfrage genügt zunächst die grobe Höhe oder die Geschosszahl: Sie bestimmt Gerüsthöhe, Zahl der Arbeitslagen und das Verankerungsraster mit – und schlägt sich damit unmittelbar in Aufwand und Preis nieder.

Auch: Etage, Stockwerk

Gestattung Recht & Genehmigung #

Privatrechtliche Erlaubnis eines Eigentümers, dessen Fläche für ein Gerüst zu nutzen – etwa Nachbargrundstück, Hof oder private Zufahrt. Sie ist das private Gegenstück zur öffentlich-rechtlichen Sondernutzungserlaubnis.

Berührt das Gerüst fremden Privatgrund, sollte die Gestattung schriftlich festgehalten werden – mit Fläche, Dauer und Regelungen für den Schadensfall. Verweigert der Nachbar die Zustimmung, kann in Bayern das Hammerschlags- und Leiterrecht (Art. 46b AGBGB) eine Duldungspflicht begründen. Auf öffentlichen Verkehrsflächen führt der Weg dagegen stets über die Sondernutzungserlaubnis.

Gewerk Sicherheit & Betrieb #

Abgegrenzter Leistungsbereich eines Handwerks am Bau – etwa Dachdecker-, Maler- oder Gerüstbauarbeiten. Nutzen mehrere Gewerke dasselbe Gerüst, gelten für jedes eigene Prüf- und Abstimmungspflichten.

Die Reihenfolge der Gewerke (Gewerkefolge) bestimmt, wie lange das Gerüst stehen muss und für welche Lastklasse und Belagbreite es auszulegen ist – maßgeblich ist das anspruchsvollste Gewerk. Jeder Gerüstverwender muss sich vor der Benutzung selbst von der Mängelfreiheit überzeugen; die Prüfung des Vorgängergewerks genügt nicht. Klar beschriebene Übergaben zwischen den Gewerken halten Standzeit und Umbauten kalkulierbar.

Auch: Gewerkefolge

Grundstandzeit Recht & Genehmigung #

Die im Gerüstangebot enthaltene Standzeit, für die keine zusätzliche Miete anfällt – in der Praxis meist drei bis vier Wochen. Danach wird jede weitere Woche gesondert berechnet.

Die früher übliche „vierwöchige Grundeinsatzzeit nach VOB“ ist mit der überarbeiteten ATV DIN 18451 (Ausgabe 2023-09) entfallen; die Gebrauchsüberlassung wird seitdem von Anfang an als einheitliche Leistung je angefangener Woche vereinbart. Die enthaltene Grundstandzeit ist damit reine Vereinbarungssache. Beim Vergleich von Angeboten ist daher relevant, wie viele Wochen enthalten sind und zu welchem Satz weitere Wochen berechnet werden.

H

Halteverbotszone Recht & Genehmigung #

Temporäres Halteverbot, das Stellflächen für Lkw und Montage beim Auf- und Abbau eines Gerüsts freihält. Es wird per verkehrsrechtlicher Anordnung bei der Straßenverkehrsbehörde beantragt, oft zusammen mit der Sondernutzung.

Die mobilen Halteverbotsschilder müssen rechtzeitig vor dem Termin stehen – in der Regel einige Tage vorher –, damit sie wirksam sind. Fehlt die freie Ladezone, blockiert womöglich ein fremdes Fahrzeug die Baustelle und der gesamte Aufbautag verschiebt sich. Wer Halteverbot und Sondernutzung in einem Zug beantragt, spart einen separaten Behördengang.

Hammerschlags- und Leiterrecht Recht & Genehmigung #

Nachbarrechtliche Duldungspflicht nach Art. 46b AGBGB (Bayern): Der Nachbar muss ein Gerüst auf oder über seinem Grundstück dulden, soweit das Vorhaben anders nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohen Kosten machbar ist.

Die Nutzung ist mindestens einen Monat vorher anzukündigen, einschließlich Art und Dauer der Arbeiten. Dauert sie länger als eine Woche, ist für die gesamte Nutzungszeit eine Entschädigung in Höhe der ortsüblichen Miete für einen vergleichbaren gewerblichen Lagerplatz geschuldet. Schäden sind verschuldensunabhängig zu ersetzen; auf Verlangen ist vorab Sicherheit zu leisten. Für öffentliche Verkehrsflächen gilt das Nachbarrecht nicht.

Auch: Art. 46b AGBGB

Hängegerüst Gerüstarten #

Gerüst, das nicht auf dem Boden steht, sondern an einem Tragwerk abgehängt ist. Es kommt zum Einsatz, wo keine Aufstandsfläche vorhanden ist, etwa an Brückenuntersichten oder hohen Industrieanlagen.

Die Gerüstlagen hängen an Rohren, Seilen oder Spezialaufhängungen; Aufhängepunkte und Tragfähigkeit des Bestandsbauwerks sind im Einzelfall nachzuweisen. Historisch beschrieb die zurückgezogene BGR 174 diese Bauart; heute gelten BetrSichV, TRBS 2121 und die einschlägigen DIN-EN-Normen.

I

Inaugenscheinnahme Sicherheit & Betrieb #

Sicht- und bei Bedarf Funktionskontrolle eines Gerüsts durch eine qualifizierte Person des verwendenden Betriebs. Sie ist vor jeder Verwendung Pflicht – auch wenn der Ersteller das Gerüst bereits geprüft und freigegeben hat.

Geprüft wird auf offensichtliche Mängel: fehlende Beläge oder Geländer, gelöste Anker, veränderte Aufstiege, aktuelle Kennzeichnung. Festgestellte Mängel werden gemeldet, nicht selbst behoben – Umbauten sind Sache des Gerüsterstellers. Übernimmt ein Gewerk das Gerüst von einem anderen, ersetzt dessen frühere Kontrolle die eigene Inaugenscheinnahme nicht.

iSFP Kosten & Förderung #

Individueller Sanierungsfahrplan: ein von einem Energieberater erstelltes, gebäudebezogenes Sanierungskonzept. In der BEG-Einzelmaßnahmenförderung verdoppelt er den Deckel der förderfähigen Ausgaben auf 60.000 Euro je Wohneinheit.

Seit der BEG-Reform zum 21. Juli 2026 gilt der iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten nur noch für den Anteil der Ausgaben oberhalb von 30.000 Euro – er lohnt sich damit vor allem bei großen Sanierungspaketen. Der Fahrplan darf nicht älter als 15 Jahre sein und muss bereits bei Antragstellung vorliegen.

Auch: Individueller Sanierungsfahrplan, Sanierungsfahrplan

K

Kleingerüst Gerüstarten #

Kleines, meist frei stehendes Arbeitsgerüst für Arbeiten geringen Umfangs in geringer Höhe, etwa im Innenausbau oder am Einfamilienhaus. Historisch in der zurückgezogenen BGR 173 beschrieben.

Kleingerüste bestehen aus wenigen vorgefertigten Bauteilen und kommen in der Regel ohne Verankerung aus; typisch sind Zimmergerüste und kleine fahrbare Ausführungen. Auch für sie gelten Seitenschutzanforderungen und die Sichtprüfung vor der Benutzung.

Konsole Bauteile & Verbindungstechnik #

Auskragendes Anbauteil, das den Gerüstbelag nach innen oder außen verbreitert – etwa an Dachüberständen, Erkern oder wenn nachträglich mehr Arbeitsbreite benötigt wird.

Konsolen erweitern den Belag an einzelnen Lagen, ohne dass das gesamte Gerüst breiter gestellt werden muss. Bei WDVS-Dämmungen werden sie eingeplant, um den Wandabstand nach dem Aufbringen der Dämmung anzupassen. Als Sonderbauteil werden Konsolen gesondert vergütet und gehören ausdrücklich in Angebot und Aufmaß.

Konsolgerüst Gerüstarten #

Gerüst auf auskragenden Konsolen, die am Bauwerk verankert werden, statt auf dem Boden zu stehen. Es wird eingesetzt, wo eine Abstützung von unten nicht möglich oder unwirtschaftlich ist.

Die Konsole leitet die Lasten über Anker unmittelbar in das Bauwerk ein; die Tragfähigkeit des Ankergrunds ist daher entscheidend. Daneben dienen Konsolen als Anbauteile, um bestehende Gerüstlagen zu verbreitern – etwa bei dicken Dämmstärken im Wärmedämmverbundsystem oder an Dachüberständen.

L

Lastklasse Klassen & Kennwerte #

Einteilung von Arbeitsgerüsten nach der zulässigen Flächenlast des Belags gemäß DIN EN 12811-1: von LK 1 (0,75 kN/m²) bis LK 6 (6,00 kN/m²). Für typische Fassadenarbeiten genügt meist LK 3 (2,00 kN/m²).

LK 1 erlaubt nur die Begehung zur Sichtkontrolle, LK 2 (1,50 kN/m²) leichte Arbeiten mit wenig Material, LK 4 (3,00 kN/m²) Mauer- und Putzarbeiten mit Materiallagerung, LK 5 (4,50 kN/m²) und LK 6 schwere Lasten. Entscheidend ist vor allem, ob Material auf der Belagfläche gelagert wird. Nutzen mehrere Gewerke dasselbe Gerüst, muss es für die höchste benötigte Lastklasse ausgelegt sein.

M

Maßnahmenhierarchie (TRBS 2121) Sicherheit & Betrieb #

Rangfolge der Schutzmaßnahmen gegen Absturz nach TRBS 2121: zuerst Absturzsicherungen wie Seitenschutz, dann Auffangeinrichtungen wie Fanggerüste oder Schutznetze, zuletzt persönliche Schutzausrüstung (PSAgA).

Die Rangfolge ist verbindlich: Eine niedrigere Stufe darf erst gewählt werden, wenn die höhere technisch nicht möglich ist – festgehalten wird das in der Gefährdungsbeurteilung. Kollektive Maßnahmen schützen alle Personen auf dem Gerüst ohne eigenes Zutun, während PSAgA nur die gesicherte Einzelperson schützt und deshalb das letzte Mittel bleibt.

Mehrfamilienhaus Klassen & Kennwerte #

Wohngebäude mit mehreren Wohnungen – in der amtlichen Statistik üblicherweise Gebäude mit drei und mehr Wohnungen. Im Gerüstbau steht der Typ für hohe Fassaden, mehrere Arbeitslagen und längere Standzeiten.

Mehrfamilienhäuser werden häufig abschnittsweise eingerüstet: klar festgelegte Zugänge je Abschnitt, zeitlich getrennt koordinierte Bereiche und sauber strukturierte Übergaben halten den Ablauf für Bewohner und Gewerke planbar. Gerüstseitig typisch sind hohe Fassaden- und Standgerüste mit mehreren Arbeitslagen sowie längere Standzeiten als am Einfamilienhaus. Die Verteilung der Gebäude nach Zahl der Wohnungen weist der Zensus 2022 aus.

Auch: MFH

Modulgerüst Gerüstarten #

Systemgerüst, dessen Stiele in festem Abstand Anschlussknoten (z. B. Teller oder Rosetten) tragen, an die Riegel und Diagonalen in mehreren Richtungen und Winkeln angeschlossen werden können.

Damit verbindet das Modulgerüst die Montagegeschwindigkeit eines Systems mit hoher geometrischer Flexibilität und eignet sich für Industrieanlagen, Raumgerüste und komplexe Grundrisse. Es steht damit zwischen dem starren Rahmengerüst und dem völlig frei zusammensetzbaren Stahlrohr-Kupplungsgerüst.

Montagesicherheitsgeländer (MSG) Sicherheit & Betrieb #

Temporäres Geländer, das beim Gerüstaufbau von der gesicherten unteren Lage aus montiert wird und die jeweils oberste, noch ungesicherte Lage vor Absturz schützt – eine technische Schutzmaßnahme nach TRBS 2121 Teil 1.

Die TRBS 2121 Teil 1 verlangt beim Auf-, Um- und Abbau auf der obersten Gerüstlage mindestens einen einteiligen Seitenschutz – etwa ein Montagesicherheitsgeländer –, sofern die baulichen Gegebenheiten dem nicht entgegenstehen. Als technische Maßnahme geht das MSG dem Einsatz von PSAgA vor und reduziert dessen Notwendigkeit auf Sonderfälle. Nach Fertigstellung der Lage wird es durch den endgültigen dreiteiligen Seitenschutz ersetzt und wandert mit dem Baufortschritt nach oben.

Auch: MSG, vorlaufendes Geländer

N

Nachtrag Kosten & Förderung #

Nachträgliche Änderung oder Ergänzung des Bauvertrags mit entsprechender Vergütungsanpassung – etwa wenn zusätzliche Gerüstflächen, Sonderbauteile oder längere Standzeiten nötig werden.

Im Gerüstbau entstehen Nachträge typischerweise durch unerwartete Geometrie (Rücksprünge, Innenhöfe, Engstellen), nachträglich gewünschte Konsolen, Netze oder Schutzdächer sowie Standzeitverlängerungen über die vereinbarte Grundstandzeit hinaus. Ein prüfbares Angebot mit klar benannten Flächen, Zusatzleistungen und Standzeiten reduziert das Nachtragsrisiko. Änderungen sollten früh kommuniziert und schriftlich festgehalten werden, damit die Kalkulationslogik nachvollziehbar bleibt.

Auch: Nachtragsangebot

Normalkupplung Bauteile & Verbindungstechnik #

Rechtwinklige Kupplung (90°) für zwei sich kreuzende Gerüstrohre – die tragende Standardverbindung im Stahlrohr-Kupplungsgerüst mit der höchsten zulässigen Last aller Kupplungstypen; geregelt in DIN EN 74.

Normalkupplungen werden heute überwiegend schraubgesichert ausgeführt: Hammerkopfschraube und Bundmutter werden mit definiertem Drehmoment angezogen. Das korrekte Anziehmoment ist sicherheitsrelevant, weil eine unzureichend verspannte Kupplung unter Last durchrutschen kann. Die zulässige Last der einzelnen Kupplung hängt von ihrer Klasse und dem Prüfzeugnis des Herstellers ab.

P

Photovoltaik Sicherheit & Betrieb #

Stromerzeugung aus Solarzellen auf dem Dach. Die Montage von PV-Anlagen ist ein häufiger Gerüstanlass: Das Gerüst stellt den sicheren Dachzugang und die Absturzsicherung an der Traufe bereit.

Bei Dachneigungen über 22,5° und mehr als 2 m Absturzhöhe ist für die Montage ein Dachfanggerüst an der Traufe vorzusehen; zugleich dient das Gerüst als Transportweg und Ablagefläche für Module und Material. Für die Planung hilfreich sind Angaben zu den belegten Dachseiten, zu Dachform und Gauben, zur Geschosszahl sowie zu Zugang und Engstellen – Punkte, die in PV-Checklisten üblicherweise abgefragt werden.

Auch: PV, PV-Anlage

Prüfprotokoll Sicherheit & Betrieb #

Schriftliche Dokumentation der Gerüstprüfung durch die befähigte Person mit Ergebnis und Datum. Es wird während der gesamten Standzeit am Einsatzort aufbewahrt.

Das Protokoll entsteht erstmals bei der Prüfung nach der Montage und wird nach jeder erneuten Prüfung fortgeschrieben, etwa nach außergewöhnlichen Ereignissen wie Sturm oder längerer Nichtbenutzung. Zusammen mit der Kennzeichnung am Aufstieg belegt es den ordnungsgemäßen Zustand des Gerüsts und dient im Schadensfall als Nachweis. In der Praxis wird es häufig durch ein Übergabeprotokoll ergänzt, das die Verantwortungsgrenze zwischen Ersteller und Verwender festhält.

PSAgA Sicherheit & Betrieb #

Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz: Auffanggurt, Verbindungsmittel und Anschlagpunkt, die eine stürzende Person auffangen. Sie ist erst zulässig, wenn technische Schutzmaßnahmen nicht möglich sind – kollektive Sicherungen haben Vorrang.

PSAgA steht in der Rangfolge der TRBS 2121 an letzter Stelle, nach Absturzsicherungen wie dem Seitenschutz und Auffangeinrichtungen wie Fanggerüsten oder Schutznetzen. Sie kommt im Gerüstbau vor allem beim Auf-, Um- und Abbau zum Einsatz, wenn technische Sicherungen nicht möglich sind. Voraussetzungen sind geeignete Anschlagpunkte, unterwiesene Beschäftigte und ein Rettungskonzept für aufgefangene Personen.

Auch: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz, Auffanggurt

R

Rahmengerüst Gerüstarten #

Systemgerüst aus vorgefertigten Vertikalrahmen, die mit Belägen, Diagonalen und Geländern zu festen Feldern verbunden werden. Es ist die übliche Bauart des Fassadengerüsts.

Die geschweißten Rahmen geben Feldlänge und Feldhöhe vor; das macht den Aufbau schnell und wirtschaftlich, begrenzt aber die Anpassung an ungewöhnliche Geometrien. Als vorgefertigtes Fassadengerüst-System fällt es unter DIN EN 12810.

Raumgerüst Gerüstarten #

Flächen- bzw. raumorientiertes Arbeitsgerüst, das einen Innenraum oder eine Halle ganz oder teilweise ausfüllt, um Arbeitsflächen unter Decken und Gewölben zu schaffen.

Typische Einsätze sind Deckensanierungen, Restaurierungen in Kirchen und Hallen oder Installationsarbeiten in großer Höhe. Ausgeführt wird es meist als Modulgerüst, dessen Knotenraster die Ausdehnung in Länge, Breite und Höhe erlaubt; großflächig verlegte Beläge ergeben eine geschlossene Arbeitsebene.

Regelausführung Klassen & Kennwerte #

Gerüstaufbau innerhalb der genormten bzw. vom Hersteller vorgegebenen Grenzen für Höhe, Verankerung und Aussteifung. Der Standsicherheitsnachweis gilt dann als erbracht; eine gesonderte statische Berechnung ist nicht nötig.

Bei Systemgerüsten definiert die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers die Regelausführung, bei Stahlrohr-Kupplungsgerüsten legen Normvorgaben unter anderem Rohrabmessungen, Aufbauhöhen und das Muster aus Aussteifung und Verankerung fest. Wird dieser Rahmen verlassen, liegt eine Nicht-Regelausführung vor, für die ein Brauchbarkeitsnachweis im Einzelfall zu führen ist.

Regionalstatistik Klassen & Kennwerte #

Gemeinsame Regionaldatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (regionalstatistik.de). Sie stellt amtliche Statistiken bis auf Kreis- und Gemeindeebene bereit, darunter die Baugenehmigungsstatistik.

Die frei zugängliche Datenbank bündelt Ergebnisse zahlreicher amtlicher Statistiken in einheitlicher regionaler Gliederung. Für die Einordnung örtlicher Bautätigkeit lassen sich dort etwa genehmigte Wohnungen und Bestandszahlen je Gemeinde abrufen. Solche Kennzahlen geben eine erste Orientierung über Gebäudestruktur und Baugeschehen eines Orts, ersetzen aber keine projektbezogene Klärung vor Ort.

Auch: Regionaldatenbank Deutschland

Reihenhaus Klassen & Kennwerte #

Wohngebäude in geschlossener Reihung, im Zensus als „gereihtes Haus“ erfasst. Meist sind nur Vorder- und Rückseite frei; enge Zugänge und Grenzbebauung prägen Einrüstung, Materialwege und Kalkulation.

Beim Reihenmittelhaus werden nur Straßen- und Gartenfassade eingerüstet; wird nur eine Seite benötigt, können es deutlich unter 150 m² Gerüstfläche sein. Das Reihenendhaus hat zusätzlich einen freien Giebel. Weil Material häufig durch Hausdurchgänge oder über Nachbargrundstücke transportiert werden muss, sind Zugangssituation und Stellflächen früh zu klären; steht das Gerüst auf dem Gehweg, kommt eine Sondernutzungserlaubnis hinzu.

Rücksprung Sicherheit & Betrieb #

Zurückspringender Teil einer Fassade oder eines Baukörpers, etwa an Staffelgeschossen oder Innenhöfen. Rücksprünge unterbrechen die Gerüstflucht und erfordern zusätzliche Felder, Konsolen oder Umbauten.

Weil das Gerüst der Fassade folgen muss, erhöht jeder Rücksprung den Material- und Montageaufwand gegenüber der glatten Flucht; teils entstehen eigene kleine Gerüstabschnitte. Nicht gemeldete Rücksprünge gehören zu den typischen Auslösern unerwarteter Anpassungen und Nachträge. Fotos und ein kurzer Hinweis in der Anfrage helfen, sie früh einzuplanen.

Auch: Rücksprünge

S

Schneelastzone Klassen & Kennwerte #

Gebietseinteilung Deutschlands nach der charakteristischen Schneelast gemäß DIN EN 1991-1-3/NA in die Zonen 1, 1a, 2, 2a und 3. Im Gerüstbau maßgeblich für die Bemessung von Wetterschutzdächern und Dachfanggerüsten.

Der Rechenwert sk (in kN/m²) ergibt sich aus der Zone und der Geländehöhe des Standorts; die Grundwerte reichen von 0,65 kN/m² in Zone 1 bis 1,10 kN/m² in Zone 3, die Zusatzzonen 1a und 2a liegen jeweils 25 % höher. Die Zuordnung der Gemeinden zu den Zonen ist über Karten und Tabellen dokumentiert, die u. a. das DIBt bereitstellt. Für temporäre Konstruktionen wie Wetterschutzdächer oder eingehauste Gerüste bestimmt die örtliche Schneelast mit, wie stark Dachhaut und Unterkonstruktion ausgelegt werden müssen.

Schutzdach Bauteile & Verbindungstechnik #

Auskragendes Bauteil am Fassadengerüst, das darunterliegende Verkehrsflächen gegen herabfallende Gegenstände sichert. Über Gehwegen wird es im Rahmen der Sondernutzungserlaubnis regelmäßig gefordert.

Bei Gerüsten auf öffentlichem Grund verlangt die Behörde in der Regel ein Schutzdach oder einen gesicherten, ausreichend breiten Durchgang für Fußgänger, oft mit Beleuchtung und Absperrung – ohne diese Sicherung gibt es keine Freigabe. Schutzdächer zählen zu den Sonderbauteilen und werden gesondert vergütet.

Schutzgerüst Gerüstarten #

Gerüst, das nicht als Arbeitsplatz dient, sondern Personen gegen Absturz oder Bereiche gegen herabfallende Gegenstände sichert. Übliche Bauarten sind Fanggerüst, Dachfanggerüst und Schutzdach.

National ergänzt die DIN 4420-1 die europäische Gerüstnormung; die praktische Verwendung beschreibt die DGUV Information 201-011 gemeinsam mit Arbeits- und Montagegerüsten. In der Praxis werden Schutzfunktionen häufig in ein Fassadengerüst integriert, etwa als Dachfanglage an der Traufe oder als Schutzdach über einem Gehweg.

Schutznetz / Gerüstplane Bauteile & Verbindungstechnik #

Netz- oder Planenbekleidung am Fassadengerüst: Netze halten Staub und herabfallende Teile zurück, Planen schirmen zusätzlich gegen Witterung ab – etwa frischen Putz vor Regen und praller Sonne.

Bekleidungen vergrößern die Windangriffsfläche des Gerüsts erheblich und müssen deshalb bei Standsicherheit und Verankerung von Anfang an berücksichtigt werden; ein für Netz oder Plane vorgesehenes Gerüst wird entsprechend geplant. Netze und Planen zählen zu den gesondert zu vereinbarenden Zusatzleistungen und sollten im Angebot ausdrücklich aufgeführt sein.

Seitenschutz (dreiteilig) Bauteile & Verbindungstechnik #

Absturzsicherung am Belagrand aus Geländerholm, Zwischenholm und Bordbrett. Auf Arbeitsebenen ist der dreiteilige Seitenschutz spätestens ab 2 m Absturzhöhe Pflicht.

Die drei Teile sichern gegen unterschiedliche Risiken: Der Geländerholm hält Personen zurück, der Zwischenholm schließt die Lücke darunter, das Bordbrett verhindert das Abrutschen von Füßen, Material und Werkzeug über die Belagkante. Auch zur Fassade hin kann ein innenliegender Seitenschutz nötig werden, wenn der Wandabstand des Belags 0,30 m überschreitet. Grundlage sind die Betriebssicherheitsverordnung und die TRBS 2121 Teil 1.

Auch: dreiteiliger Seitenschutz, Geländerholm, Zwischenholm

Sommerausfallgeld Sicherheit & Betrieb #

Tarifliche Lohnfortzahlung im Gerüstbauer-Handwerk bei witterungsbedingtem Arbeitsausfall vom 1. Mai bis 31. August: 75 % des Stundenlohns, maximal 50 Stunden je Arbeitnehmer und Jahr, erstattet über die SOKA-Gerüst.

Die Regelung gilt seit dem 1. Mai 2026; Voraussetzung ist ein witterungsbedingter Ausfall von mindestens einer Stunde am Tag – neben Hitze zählen auch Wind, Regen oder Sturm. Eine feste Temperaturgrenze gibt es bewusst nicht: Beurteilt wird die Gesamtwirkung aus Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung vor Ort, die Entscheidung trifft der Arbeitgeber. Das Winter-Pendant ist das Saison-Kurzarbeitergeld nach § 101 SGB III (1. Dezember bis 31. März). Für Bauherren bedeutet die Regelung: Ein Hitzestopp auf dem Gerüst ist tariflich abgesicherter Arbeitsschutz, kein Vertragsbruch.

Auch: SAG

Sondernutzung Recht & Genehmigung #

Nutzung öffentlicher Straßen, Geh- und Parkflächen über den Gemeingebrauch hinaus – etwa durch ein Gerüst auf dem Gehweg. Sie ist erlaubnispflichtig; in Bayern bildet das Bayerische Straßen- und Wegegesetz die Grundlage.

Schon ein einzelner Gerüstfuß auf dem Bürgersteig gilt als Sondernutzung. Gebühren, Fristen und geforderte Unterlagen legt jede Gemeinde in ihrer Sondernutzungssatzung selbst fest; die Gebühr bemisst sich üblicherweise nach beanspruchter Fläche und Dauer. Steht das Gerüst dagegen vollständig auf privatem Grund, ist in der Regel keine Erlaubnis nötig.

Sondernutzungserlaubnis Recht & Genehmigung #

Behördliche Erlaubnis, öffentlichen Verkehrsraum – etwa Gehweg oder Parkstreifen – für ein Gerüst zu nutzen. In Bayern wird sie nach Art. 18 BayStrWG nur befristet oder auf Widerruf erteilt und ist gebührenpflichtig.

Zuständig ist meist das Tiefbauamt, Ordnungsamt oder die Straßenverkehrsbehörde der Gemeinde; in der Praxis stellt häufig der Gerüstbauer den Antrag. Typische Unterlagen sind Lageplan, beanspruchte Fläche in Quadratmetern, Standzeit und der Haftpflichtnachweis des Aufstellers. Als Vorlauf gelten mindestens zwei bis vier Wochen, in größeren Städten auch mehr. Verlängert sich die Baustelle, muss auch die Erlaubnis rechtzeitig verlängert werden – eine Nutzung darüber hinaus kann zusätzliche Gebühren oder ein Bußgeld nach sich ziehen.

Sperrfläche Recht & Genehmigung #

Fläche, die für Gerüststellung, Anlieferung oder Sicherheitsabstände freigehalten bzw. für den allgemeinen Verkehr gesperrt wird – auf Privatgrund per Absprache, im öffentlichen Raum per behördlicher Anordnung.

Typische Sperrflächen sind Aufstell- und Standflächen des Gerüsts, Kranstellflächen und Zonen für die Materialanlieferung. Auf öffentlichem Grund setzt die Sperrung eine Sondernutzungserlaubnis und häufig eine rechtzeitig zu beantragende Halteverbotszone voraus. Sperrflächen sollten früh und nachvollziehbar dokumentiert werden, damit Anlieferung und Bauablauf kalkulierbar bleiben; im Straßenverkehrsrecht bezeichnet der Begriff daneben eine markierte Fahrbahnfläche, die nicht befahren werden darf.

Stahlrohr-Kupplungsgerüst Gerüstarten #

Gerüst, das frei aus einzelnen Stahlrohren (48,3 mm Außendurchmesser, DIN EN 39) und Kupplungen nach DIN EN 74 zusammengesetzt wird. Ohne festes Raster erlaubt es nahezu beliebige Geometrien.

Unterschieden werden Normal-, Dreh- und Stoßkupplung; die rechtwinklige Normalkupplung trägt am meisten. Je nach Wanddicke der Rohre (3,2 bzw. 4,0 mm) sind Höhen bis 20 bzw. 30 m üblich; darüber hinaus ist ein Einzelnachweis erforderlich. Eingesetzt wird die Bauart, wo Systemgerüste an ihre Rastergrenzen stoßen: runde Bauwerke, Industrieanlagen, verwinkelte Altbaufassaden.

Standgerüst Gerüstarten #

Fest aufgestelltes, meist am Bauwerk verankertes Gerüst, das für die gesamte Standzeit an Ort und Stelle bleibt – der Gegenbegriff zum frei versetzbaren Fahrgerüst auf Rollen.

Für Fassaden-, Dämm- und Dachsanierungen ist in der Regel ein Standgerüst erforderlich, weil über längere Zeit an großen Flächen gearbeitet wird und Lasten sicher abzutragen sind. Üblich ist die Ausführung als verankertes Fassadengerüst in Systembauweise; Auf- und Abbau sind entsprechend aufwändiger als beim Fahrgerüst. Für punktuelle, kurze Arbeiten in begrenzter Höhe bleibt das Fahrgerüst die wirtschaftlichere Alternative.

Standsicherheitsnachweis Klassen & Kennwerte #

Nachweis, dass ein Gerüst die auftretenden Lasten – Eigengewicht, Verkehrslasten, Wind – sicher ableitet. Bei Aufbau in Regelausführung gilt er als erbracht, ohne dass eine gesonderte Berechnung nötig ist.

Verantwortlich ist der Ersteller des Gerüsts. Wesentliche Bausteine sind ein tragfähiger Untergrund, die Aussteifung durch Diagonalen und die zug- und druckfeste Verankerung an der Fassade nach vorgegebenem Raster. Außerhalb der Regelausführung ist die Standsicherheit im Rahmen des Brauchbarkeitsnachweises für den Einzelfall zu belegen.

Standzeit Recht & Genehmigung #

Zeitraum, in dem ein Gerüst steht und dem Auftraggeber überlassen ist. Eine gesetzliche Höchstdauer gibt es nicht; Grenzen setzen der Vertrag, die befristete Sondernutzung, laufende Prüfpflichten und das Nachbarrecht.

Vertraglich wird die Gebrauchsüberlassung nach ATV DIN 18451 (Ausgabe 2023) je angefangener Woche abgerechnet; Angebote enthalten in der Praxis meist drei bis vier Wochen. Die TRBS 2121 Teil 1 kennt keine maximale Standzeit, verlangt aber erneute Prüfungen nach außergewöhnlichen Ereignissen wie Sturm, Vereisung oder längerer Nichtbenutzung. Beendet wird die Überlassung üblicherweise erst durch die schriftliche Freimeldung an den Gerüstbauer.

Staubschutz Sicherheit & Betrieb #

Maßnahmen, die die Ausbreitung von Bau- und Sanierungsstaub begrenzen – am Gerüst etwa Netze und Planen, dazu Abdichtungen an Fenstern, Türen und anderen Öffnungen.

Bei Dach- und Fassadenarbeiten wird der Staubschutz projektbezogen festgelegt: von einzelnen Abdeckungen an Öffnungen und angrenzenden Bereichen über Gerüstnetze bis zur vollständigen Einhausung. Wie weit der Schutz reicht, hängt von Arbeitsverfahren, Umgebung und Empfindlichkeit der angrenzenden Zonen ab. Die Maßnahmen werden als Zusatzleistung vereinbart und sollten im Angebot ausdrücklich benannt sein.

Stoßkupplung Bauteile & Verbindungstechnik #

Kupplung zum Längsstoß: Sie verbindet zwei Gerüstrohre stumpf Ende an Ende und verlängert sie in gerader Linie. Ihr Tragverhalten liegt zwischen Normal- und Drehkupplung; geregelt in DIN EN 74.

Stoßkupplungen kommen im Stahlrohr-Kupplungsgerüst zum Einsatz, wenn Ständer- oder Riegelrohre über die Länge des Einzelrohrs hinaus fortgeführt werden müssen. Die Normreihe DIN EN 74 behandelt neben Rohrkupplungen (Teil 1) und Spezialkupplungen (Teil 2) auch Fußplatten und Zentrierbolzen (Teil 3).

Systemgerüst Gerüstarten #

Gerüst aus vorgefertigten, herstellerspezifisch aufeinander abgestimmten Bauteilen mit festen Rastermaßen. Fassadengerüst-Systeme sind in DIN EN 12810 geregelt.

Verbindungen und Feldmaße sind konstruktiv vorgegeben, was Aufbau und Prüfung deutlich beschleunigt; Bauteile verschiedener Hersteller dürfen dabei nicht beliebig gemischt werden. Rahmen- und Modulgerüst sind die beiden Hauptbauarten. Das Gegenstück ist das Stahlrohr-Kupplungsgerüst, das ohne festes Raster frei zusammengesetzt wird.

T

Tilgungszuschuss Kosten & Förderung #

Anteil eines Förderkredits, der nach Abschluss der Maßnahme erlassen wird und nicht zurückgezahlt werden muss. Bei der KfW-Effizienzhaus-Sanierung (Kredit 261) richtet sich die Höhe nach der erreichten Effizienzhaus-Stufe.

Mit der BEG-Reform zum 21. Juli 2026 sanken die Tilgungszuschüsse pauschal um 10 Prozentpunkte: Effizienzhaus 40 EE erhält 10 Prozent, die Stufen 55 EE und Denkmal EE je 5 Prozent; für 70 EE und 85 EE bleibt nur der zinsverbilligte Kredit. Die NH-Klasse bringt weiterhin 5 Prozentpunkte zusätzlich, dazu kommen Boni für besonders ineffiziente Gebäude (Worst Performing Building) und serielles Sanieren.

Traggerüst Gerüstarten #

Temporäre Konstruktion, die Lasten aus Bauzuständen abträgt – etwa Schalung und Frischbeton, bis das Bauteil selbst tragfähig ist. Anforderungen und Bemessung regelt DIN EN 12812.

Anders als Arbeits- und Schutzgerüste dient das Traggerüst nicht dem Aufenthalt von Personen, sondern der Lastabtragung; es ist ein Hilfstragwerk des Ingenieurbaus, typisch im Brücken- und Betonbau. DIN EN 12812 unterscheidet dafür eigene Bemessungsklassen und löste die frühere nationale Traggerüstnorm DIN 4421 ab.

Traufe Sicherheit & Betrieb #

Untere waagerechte Dachkante, an der das Regenwasser abläuft – bei Dacharbeiten die maßgebliche Absturzkante. Bei Dachneigung über 22,5° und mehr als 2,00 m Absturzhöhe ab der Traufe ist ein Dachfanggerüst erforderlich.

Die Anforderung an das Dachfanggerüst folgt aus dem Baustein B 121 der BG BAU und gilt für Dachneigungen von mehr als 22,5° bis 60°; die Schutzwand muss in vorgeschriebener Höhe über die Traufkante reichen. Ein normales Fassadengerüst auf gleicher Höhe fängt eine abrutschende Person nicht ab. Für die Gerüstplanung sind Traufhöhe und Dachneigung deshalb zwei der wichtigsten Angaben bei der Anfrage.

TRBS 2121 Teil 1 Normen & Regelwerk #

Technische Regel für Betriebssicherheit „Gefährdung von Beschäftigten durch Absturz bei der Verwendung von Gerüsten“. Sie konkretisiert die Betriebssicherheitsverordnung und regelt u. a. die Prüfpflichten an Gerüsten.

Nach der Montage prüft eine zur Prüfung befähigte Person das Gerüst, erst dann wird es freigegeben; vor jeder Verwendung folgt die Inaugenscheinnahme durch eine qualifizierte Person des nutzenden Betriebs. Nach außergewöhnlichen Ereignissen – Stürmen, starken Regenfällen, Vereisung oder längerer Nichtbenutzung – ist erneut zu prüfen. Eine maximale Standzeit kennt die Regel nicht.

U

U-Wert Klassen & Kennwerte #

Wärmedurchgangskoeffizient in W/(m²·K): gibt an, wie viel Wärme ein Bauteil je Quadratmeter und Kelvin Temperaturdifferenz durchlässt. Je niedriger der U-Wert, desto besser die Dämmwirkung.

In der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) entscheidet der U-Wert über die Förderfähigkeit einer Dämmmaßnahme: Für Außenwände gilt höchstens 0,20 W/(m²·K), für Dachflächen und oberste Geschossdecken 0,14, für Kellerdecken 0,25. Für Baudenkmale und besonders erhaltenswerte Bausubstanz gelten mildere Anforderungen.

Auch: Wärmedurchgangskoeffizient

Umfeldmaßnahmen Kosten & Förderung #

Vorbereitende und begleitende Arbeiten einer BEG-geförderten Sanierung – darunter ausdrücklich Rüstarbeiten einschließlich Gerüst. Sie sind mit demselben Fördersatz zuschussfähig wie die eigentliche Dämmmaßnahme.

Das BAFA-Infoblatt zu den förderfähigen Kosten (Version 10.0, in Kraft seit 01.07.2025) zählt das Gerüst zu den Umfeldmaßnahmen; die Gerüstkosten erhöhen zudem das förderfähige Investitionsvolumen, an dem die 30.000-Euro-Schwelle des iSFP-Bonus gemessen wird. Voraussetzung ist die Ausführung durch ein Unternehmen – bei Eigenleistung sind Materialien wie ein selbst gestelltes Gerüst nicht förderfähig. Auf der Rechnung sollten die Gerüstkosten getrennt ausgewiesen sein.

Untere Denkmalschutzbehörde Recht & Genehmigung #

Für den Vollzug des Denkmalschutzes zuständige Behörde vor Ort. Bei Arbeiten an denkmalgeschützten Gebäuden – einschließlich der Gerüstbefestigung an der Fassade – ist sie frühzeitig einzubinden.

In Bayern regelt das Bayerische Denkmalschutzgesetz den Umgang mit Baudenkmälern; viele Maßnahmen daran sind erlaubnispflichtig. Für das Gerüst bedeutet das vor allem: Verankerungen in historischen Fassaden – etwa Sandstein – und Schutzmaßnahmen sind vorab abzustimmen, was Befestigung und Bauablauf beeinflusst. In Altstadtlagen kommt wegen enger Gassen häufig zusätzlich eine Sondernutzung hinzu.

Auch: Denkmalschutz

V

Verankerung / Gerüstanker Bauteile & Verbindungstechnik #

Zug- und druckfeste Befestigung des Gerüsts an tragfähigen Bauteilen der Fassade, meist über Dübel und Ankerösen. Anzahl und Abstand richten sich nach dem Verankerungsraster der Aufbau- und Verwendungsanleitung.

Das Verankerungsraster hängt von Gerüsthöhe und Windlast ab; die Anker werden bereits während des Aufbaus fortlaufend gesetzt. Wandanker durchdringen die Fassade und sind mit dem betroffenen Gewerk abzustimmen, damit Bauteile und Abdichtung unbeschädigt bleiben. Eine fehlende oder zu spärliche Verankerung zählt zu den häufigsten Fehlern beim Gerüstaufbau; das eigenmächtige Lösen einzelner Anker durch Gerüstnutzer ist unzulässig.

Auch: Wandanker

Verankerungsraster Klassen & Kennwerte #

Vorgegebenes Muster aus Anzahl und Abstand der Wandanker, mit denen ein Fassadengerüst zug- und druckfest an tragfähigen Bauteilen befestigt wird. Es richtet sich nach Aufbauhöhe und Windlast.

Maßgeblich ist die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers; verankert wird fortlaufend bereits während des Aufbaus mit Dübeln und Ankerösen. Eine fehlende oder zu spärliche Verankerung zählt zu den häufigsten Gerüstmängeln und gefährdet die Standsicherheit unmittelbar.

Verkehrsführung Recht & Genehmigung #

Lenkung des Fußgänger- und Fahrzeugverkehrs an einer Arbeitsstelle im öffentlichen Raum – etwa durch Absperrungen, Gehwegumleitungen oder gesicherte Durchgänge unter dem Gerüst.

Ragt ein Gerüst in Gehweg oder Fahrbahn, verbindet die zuständige Behörde die Sondernutzungserlaubnis regelmäßig mit Auflagen zur Verkehrsführung: gesicherte, ausreichend breite Fußgängerdurchgänge oder Schutzdächer, Beleuchtung, Absperrung und gegebenenfalls Halteverbotszonen für die Anlieferung. Die Umsetzung und laufende Kontrolle dieser Sicherung gehört zur Verkehrssicherungspflicht während der gesamten Standzeit.

Verkehrssicherungspflicht Recht & Genehmigung #

Pflicht dessen, der eine Gefahrenquelle schafft oder unterhält, Dritte vor Schäden zu schützen. Beim Gerüst betrifft sie unter anderem Standsicherheit, Absperrung, Beleuchtung und die Sicherung von Fußgängerdurchgängen.

Die Pflicht verteilt sich je nach Verantwortungsbereich auf Gerüstersteller, nutzende Betriebe und Bauherren. Bei Gerüsten über Gehwegen verlangen Behörden regelmäßig ein Schutzdach oder einen gesicherten, beleuchteten Durchgang als Auflage der Sondernutzungserlaubnis. Kommt es durch mangelhafte Sicherung zu einem Schaden, drohen zivilrechtliche Haftung und je nach Fall weitere Konsequenzen.

Verlängerungswoche Kosten & Förderung #

Jede Woche Standzeit über die im Grundpreis enthaltene Mietdauer hinaus wird gesondert berechnet – in Bayern 2026 üblicherweise mit etwa 0,30 bis 0,80 Euro pro Quadratmeter Gerüstfläche und Woche.

Im Grundpreis stecken meist drei bis vier Wochen. Zieht sich das Gewerk durch Wetter, Lieferengpässe oder Folgearbeiten, läuft die Wochenmiete weiter – bei längeren Sanierungen ein relevanter Posten. Eine realistische Bauzeitplanung, die etwa Trocknungszeiten des Putzes einrechnet, vermeidet unnötige Verlängerungswochen.

Auch: Standzeitverlängerung, Wochenmiete

Vertikalrahmen Bauteile & Verbindungstechnik #

Vorgefertigtes, senkrecht stehendes Tragelement des Systemgerüsts. Vertikalrahmen werden geschossweise aufeinandergesetzt und nehmen Beläge, Riegel, Diagonalen und Seitenschutz auf.

Anders als beim Stahlrohr-Kupplungsgerüst mit frei setzbaren Kupplungen sind die Knotenpunkte des Vertikalrahmens werkseitig eingeschweißt; daraus ergeben sich feste Rastermaße und ein schneller Aufbau. Fassaden-Systemgerüste aus vorgefertigten Bauteilen sind in DIN EN 12810 geregelt.

Vorhaltung Recht & Genehmigung #

Überlassung des aufgebauten Gerüsts an den Auftraggeber über die vereinbarte Zeit – umgangssprachlich Gerüstmiete. Sie wird nach ATV DIN 18451 als eigene Leistung neben der Montage je angefangener Woche vergütet.

Über die im Angebot enthaltene Standzeit hinaus kostet die Vorhaltung typischerweise 0,40 bis 0,90 Euro pro Quadratmeter Gerüstfläche und Woche. Bei Gerüsten im öffentlichen Raum laufen parallel die Sondernutzungsgebühren weiter. Verzögert sich ein Gewerk, sollte vorab vereinbart sein, wer die zusätzlichen Vorhaltewochen trägt – sonst wird der Stillstand zum Streitpunkt.

Auch: Vorhaltekosten, Gebrauchsüberlassung, Gerüstmiete

Vorsprung Sicherheit & Betrieb #

Vorspringendes Bauteil an der Fassade – etwa Erker, Balkone oder Gesimse. Vorsprünge müssen umbaut oder mit Konsolen überbrückt werden und erhöhen den Abstimmungsaufwand bei der Einrüstung.

Je nach Tiefe wird der Vorsprung in das Gerüst integriert – etwa mit Konsolverbreiterungen oder ausgesparten Feldern – oder als eigener Arbeitsbereich eingerüstet. Empfindliche Bauteile wie historische Gesimse brauchen zusätzliche Schutzpunkte an den Kontaktstellen. Wie beim Rücksprung gilt: Vorsprünge und komplexe Geometrie früh dokumentieren, sonst drohen Umbauten im laufenden Ablauf.

Auch: Vorsprünge

W

Wandabstand Klassen & Kennwerte #

Lichter Abstand zwischen Belagkante und Fassade. Er darf höchstens 0,30 m betragen; wird der Wert überschritten, gilt die Lücke als Absturzkante und muss zur Innenseite zusätzlich gesichert werden.

Gesichert wird eine größere Lücke etwa durch innenliegenden Seitenschutz. Bei der WDVS-Dämmung wird der Wandabstand auf die spätere Dämmstärke geplant: Nach dem Aufbringen der Platten muss genügend Restabstand für den Putzauftrag bleiben, ohne die 0,30 m zu überschreiten. Für nachträgliche Verbreiterungen des Belags lassen sich Konsolen einplanen.

WDVS Kosten & Förderung #

Wärmedämm-Verbundsystem: außenliegende Fassadendämmung aus geklebten und gedübelten Dämmplatten mit Armierungsschicht und Putz. Die Montage erfolgt vom Fassadengerüst aus, dessen Planung zur Dämmstärke passen muss.

Für WDVS-Arbeiten haben sich Gerüste der Breitenklasse W06 oder W09 mit Lastklasse 3 (2,0 kN/m²) bewährt; der lichte Wandabstand darf nach DIN EN 12811-1 höchstens 0,30 m betragen und wird so geplant, dass nach dem Aufbringen der Dämmung noch Restabstand für den Putzauftrag bleibt. Bei BEG-geförderter Sanierung muss die gedämmte Außenwand einen U-Wert von maximal 0,20 W/(m²·K) erreichen.

Auch: Wärmedämm-Verbundsystem, Vollwärmeschutz

Wegeführung Sicherheit & Betrieb #

Geplante Führung der Personen- und Materialwege auf der Baustelle und am Gerüst. Eine klare Wegeführung trennt Arbeits-, Lager- und Verkehrsbereiche und hält Zugänge und Fluchtwege frei.

Festgelegt wird, wie Beschäftigte die Arbeitslagen erreichen (Leitergänge, Treppentürme), auf welchen Wegen Material zu den Einbaustellen gelangt und welche Flächen frei bleiben müssen. Unklare Wege erhöhen Abstimmungsaufwand und Unfallrisiko und wirken sich unmittelbar auf die Kalkulation aus. Im öffentlichen Raum geht die Wegeführung in die Verkehrsführung für Passanten über.

Wetterschutzdach Gerüstarten #

Temporäre Überdachung, die ein geöffnetes Dach oder eine Baustelle großflächig gegen Regen und Schnee abschirmt – anders als das Schutzdach, das Verkehrsflächen gegen herabfallende Gegenstände sichert.

Wetterschutzdächer kommen vor allem bei Dach- und Denkmalsanierungen zum Einsatz, wenn das Bauwerk längere Zeit geöffnet bleibt. Für die Bemessung sind die örtlichen Lastannahmen maßgeblich – die Schneelast nach DIN EN 1991-1-3 und die Windlast nach DIN EN 1991-1-4. Als Sonderkonstruktion liegt ein Wetterschutzdach regelmäßig außerhalb der Regelausführung, erfordert also einen gesonderten Nachweis und wird als Sonderbauteil gesondert vergütet.

Windzone Klassen & Kennwerte #

Gebietseinteilung Deutschlands nach der Basiswindgeschwindigkeit gemäß DIN EN 1991-1-4/NA in die Windzonen 1 bis 4. Sie bestimmt die anzusetzende Windlast und damit Verankerung und Aussteifung eines Gerüsts mit.

Die Basiswindgeschwindigkeit reicht von 22,5 m/s in Windzone 1 – dem Binnenland, zu dem weite Teile Süddeutschlands gehören – bis 30 m/s in Windzone 4 an Küsten und auf den Inseln. Für Gerüste ist Wind die maßgebende horizontale Einwirkung: Sie beeinflusst das Verankerungsraster nach der Aufbau- und Verwendungsanleitung, und Bekleidungen mit Netz oder Plane vergrößern die Windangriffsfläche erheblich. Die Zonenzuordnung je Gemeinde ist über Karten und Tabellen dokumentiert, die u. a. das DIBt bereitstellt.

Z

Zensus Klassen & Kennwerte #

Amtliche Bevölkerungs-, Gebäude- und Wohnungszählung der Statistischen Ämter. Der Zensus 2022 (Stichtag 15. Mai 2022) liefert die Bestandszahlen zu Gebäuden, Wohnungen, Baujahren und Bauweise je Gemeinde.

Die Ergebnisse des Zensus 2022 wurden im Juni 2024 veröffentlicht und weisen bundesweit rund 20 Millionen Gebäude mit Wohnraum und 43,1 Millionen Wohnungen aus. Für die Einordnung von Gerüstprojekten sind vor allem die Merkmale Gebäudetyp (freistehend, Doppelhaushälfte, gereiht), Zahl der Wohnungen und Baujahr aufschlussreich: Sie zeigen, welche Gebäudestruktur und welcher Sanierungsbedarf in einem Ort überwiegen. Durchgeführt wird der Zensus im Abstand von rund zehn Jahren.

Auch: Zensus 2022, Gebäude- und Wohnungszählung