Recht & Genehmigung Bayern

Gerüst auf dem Gehweg: Wann Sie in Bayern eine Sondernutzungserlaubnis brauchen

Gerüst über einem Gehweg mit überdachtem Fußgängerdurchgang

Sobald ein Gerüst über den eigenen Grund hinaus auf Gehweg oder Straße ragt, wird aus einer privaten Baustelle die Nutzung öffentlichen Raums. Dafür bedarf es in Bayern einer Sondernutzungserlaubnis1, wenn dadurch der Gemeingebrauch beeinträchtigt werden kann (Art. 18 Abs. 1 BayStrWG). Dieser Beitrag erklärt, wann Sie sie brauchen, wie der Antrag abläuft, welche Kosten und Fristen gelten und worauf Sie achten sollten, damit der Aufbau nicht ins Stocken gerät.

Wann ist eine Sondernutzungserlaubnis nötig?

Entscheidend ist die Grundstücksgrenze. Steht das Gerüst vollständig auf Ihrem eigenen Grund – etwa im Vorgarten oder im Hof –, liegt keine Sondernutzung2 vor, und eine Sondernutzungserlaubnis ist nicht nötig. Ragt es jedoch auf eine öffentliche Fläche, ändert sich das:

  • Gehweg: Dient der Bürgersteig als Standfläche für das Gerüst, ist das kein Gemeingebrauch mehr (Art. 14 Abs. 1 BayStrWG), sondern Sondernutzung.
  • Straße oder Parkstreifen: Wird Verkehrsraum beansprucht, kommt häufig eine verkehrsrechtliche Anordnung hinzu.
  • Öffentlicher Platz: Auch hier gilt Art. 18 BayStrWG3, denn dem öffentlichen Verkehr gewidmete Plätze sind öffentliche Straßen im Sinne des Gesetzes (Art. 1).

Rechtsgrundlage ist in Bayern das Bayerische Straßen- und Wegegesetz (BayStrWG), ergänzt durch kommunale Sondernutzungssatzungen, soweit solche erlassen sind. Für Bundesfernstraßen gilt das BayStrWG nur, soweit das ausdrücklich bestimmt ist (Art. 1); dort regelt § 8 des Bundesfernstraßengesetzes die Sondernutzung, in Ortsdurchfahrten mit Erlaubnis der Gemeinde. Für die übrigen Straßen regelt Art. 21 BayStrWG eine Ausnahme: Ist nach Straßenverkehrsrecht eine Erlaubnis für eine übermäßige Straßenbenutzung oder eine Ausnahmegenehmigung erforderlich oder nach Baurecht eine Baugenehmigung, bedarf es keiner eigenen Sondernutzungserlaubnis. Die Bedingungen, Auflagen und Sondernutzungsgebühren, die die sonst zuständige Behörde fordert, sind dann in diese Erlaubnis oder Genehmigung aufzunehmen. Die Details – Gebühren, Fristen, geforderte Unterlagen – sind örtlich verschieden, weshalb sich München, Augsburg und eine kleine Marktgemeinde im Verfahren unterscheiden können.

Wer beantragt die Erlaubnis?

Grundsätzlich ist der Sondernutzer antragspflichtig – also derjenige, der die Fläche beansprucht. Als Bauherr sollten Sie früh klären, wer den Antrag stellt – Sie selbst, der Gerüstbauer oder das ausführende Bauunternehmen – und ob diese Leistung im Angebot enthalten ist.

Welche Unterlagen werden verlangt?

Auch wenn die Anforderungen je nach Kommune variieren, wiederholen sich einige Angaben fast immer:

  • Lageplan mit Position und Maßen des Gerüsts
  • beanspruchte Fläche in Quadratmetern (Länge × Tiefe auf dem öffentlichen Grund)
  • Standzeit4 – also von wann bis wann die Fläche genutzt wird
  • Haftpflichtversicherung, wenn die Behörde sie verlangt – Nürnberg etwa behält sich das in seiner Satzung vor
  • bei Verkehrsflächen zusätzlich ein Verkehrszeichenplan für Absperrung5 und Umleitung

Je vollständiger der Antrag, desto schneller die Bearbeitung. Fehlende Unterlagen können sie verzögern.

Wie läuft der Antrag ab?

Der Weg gliedert sich meist in vier Schritte:

  1. Antrag stellen: Bei der Straßenbaubehörde, in Ortsdurchfahrten bei der Gemeinde (Art. 18 Abs. 1 BayStrWG); welches Amt den Antrag bearbeitet, ist örtlich verschieden – in München etwa ist das Mobilitätsreferat zentrale Ansprechstelle für Sondernutzungserlaubnis und verkehrsrechtliche Anordnung.
  2. Prüfung: Die Behörde prüft, ob der Durchgang für Fußgänger gesichert bleibt, ob Rettungswege frei sind und ob eine verkehrsrechtliche Anordnung nötig wird.
  3. Bescheid und Gebühren: Sie erhalten die Erlaubnis, gegebenenfalls mit Auflagen und Gebührenbescheid.
  4. Aufbau mit Sicherung: Aufgebaut wird so, wie es die Erlaubnis und – falls eine ergangen ist – die verkehrsrechtliche Anordnung vorgeben: mit dem, was dort an Durchgang, Überdachung, Beleuchtung und Absperrung verlangt wird. Diese Vorgaben gelten, solange die Bescheide gelten. Ob sie auch etwas dazu sagen, wer im Winter auf dem Gehweg am Gerüst räumt und streut, zeigt nur der Blick in den einzelnen Bescheid; dazu unser Beitrag Gerüst auf dem Gehweg: Wer räumt und streut im Winter?

Welche Fristen sollten Sie einplanen?

Eine landesweit einheitliche Frist gibt es nicht; sie ist örtlich verschieden. Nürnberg etwa verlangt den Antrag nach seiner Satzung grundsätzlich spätestens vier Wochen vor der beabsichtigten Ausübung der Sondernutzung. Unabhängig von solchen Fristen kann die Bearbeitung in größeren Städten mit hoher Antragslast oder bei zusätzlicher verkehrsrechtlicher Anordnung mehr Zeit brauchen. Wer den Aufbautermin kennt, sollte den Antrag entsprechend früh stellen – nichts ist ärgerlicher als ein lieferbereites Gerüst, das wegen einer fehlenden Erlaubnis nicht aufgebaut werden darf.

Was kostet die Sondernutzung?

Ob eine Gebühr anfällt und wie sie sich bemisst, ist örtlich verschieden; die Gemeinden können das durch Satzung regeln (Art. 18 Abs. 2a BayStrWG). München und Nürnberg etwa stellen unter anderem auf beanspruchte Fläche und Dauer ab. Übliche Größenordnungen für ein privates Bauvorhaben liegen im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich, in Großstädten und bei langen Standzeiten auch darüber. Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für Halteverbotsschilder, Schutzdach6 oder Absperrmaterial.

Diese Beträge sind getrennt von den reinen Gerüstkosten zu sehen. Ein sauberes Angebot weist sie als eigene Position aus – so wissen Sie, was auf die Gemeinde und was auf den Gerüstbauer entfällt.

Häufige Stolperfallen

Drei Punkte führen in der Praxis am häufigsten zu Problemen:

  • Zu spät beantragt: Der Aufbautermin steht, die Erlaubnis fehlt noch. Lösung: parallel zur Angebotsphase den Antrag anstoßen.
  • Durchgang nicht gesichert: Fußgänger müssen sicher am Gerüst vorbei. Welche Durchgangsbreite und welche Überdachung verlangt werden, legt die Behörde im Bescheid fest; reicht der Platz nicht, kann die Erlaubnis versagt werden.
  • Standzeit unterschätzt: Verlängert sich die Baustelle, muss auch die Sondernutzung verlängert werden, sonst droht eine Nutzung ohne gültige Erlaubnis.

Halteverbotszone: rechtzeitig mitplanen

Damit der Lkw beim Auf- und Abbau7 direkt an der Baustelle halten kann, ist in vielen Straßen ein temporäres Halteverbot nötig. Dieses wird über eine verkehrsrechtliche Anordnung bei der Straßenverkehrsbehörde beantragt. Die mobilen Halteverbotsschilder sollten mit Vorlauf stehen: Nach dem Bundesverwaltungsgericht (Urteil vom 24.05.2018 – 3 C 25.16) trägt, wer zunächst erlaubt geparkt hat, die Abschleppkosten nur, wenn das Schild mindestens drei volle Tage vorher aufgestellt wurde. Plant man das nicht ein, steht am Aufbautag womöglich ein fremdes Fahrzeug im Weg – und der gesamte Termin verschiebt sich. Ob sich Halteverbotszone8 und Sondernutzung gemeinsam beantragen lassen, ist örtlich verschieden; wer beides zusammen plant, gewinnt Planungssicherheit für den Aufbautag.

Was gilt bei längerer Standzeit?

Die Erlaubnis darf nur auf Zeit oder auf Widerruf erteilt werden (Art. 18 Abs. 2 BayStrWG); ist sie befristet, gilt sie nur für den darin festgelegten Zeitraum. Zieht sich die Baustelle – etwa durch Wetter, Lieferengpässe oder zusätzliche Arbeiten –, muss die Sondernutzung rechtzeitig verlängert werden. Eine Nutzung über den genehmigten Zeitraum hinaus ist nicht gedeckt und kann mit zusätzlichen Gebühren oder einem Bußgeld verbunden sein. Wer absehen kann, dass es länger dauert, stellt den Verlängerungsantrag frühzeitig – das ist einfacher als eine nachträgliche Klärung.

Mietshaus und Nachbarn: ein kurzer Hinweis

Auch wenn die Sondernutzung den öffentlichen Raum betrifft, lohnt ein Blick auf das Umfeld. Bei vermieteten Objekten müssen Mieter Gerüst und Arbeiten am Haus in der Regel dulden (§§ 555a, 555d BGB); ist die Wohnung dadurch nicht nur unerheblich beeinträchtigt, kann die Miete kraft Gesetzes gemindert sein – mehr dazu im Beitrag Mietminderung wegen Gerüst. Wird ein Nachbargrundstück berührt – etwa für die Verankerung9 oder einen Überstand –, ist die Zustimmung des Nachbarn einzuholen: eine privatrechtliche Gestattung10, das Gegenstück zur öffentlich-rechtlichen Sondernutzungserlaubnis. Eine kurze, frühzeitige Information an alle Beteiligten verhindert Konflikte während der Bauphase und sorgt für einen reibungslosen Ablauf.

Fazit: früh klären, sauber dokumentieren

Eine Sondernutzungserlaubnis ist kein Hindernis, sondern eine planbare Formalität – vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig angestoßen. Sobald Ihr Gerüst öffentlichen Grund berührt, gehören die Frage nach der Erlaubnis, die örtlich verlangten Unterlagen und die Vorlaufzeit zur Projektplanung dazu. Klären Sie früh, wer den Antrag stellt und ob er im Angebot enthalten ist. Dann steht das Gerüst pünktlich – und rechtssicher.

Sie planen ein Bauvorhaben?

Fordern Sie jetzt unverbindlich Ihr kostenloses Gerüst-Angebot an — mit Aufmaß, transparenter Aufstellung und festem Preis für Ihr Projekt in Bayern.

Kostenloses Angebot anfragen

Begriffe auf dieser Seite

1Sondernutzungserlaubnis
Behördliche Erlaubnis, öffentlichen Verkehrsraum – etwa Gehweg oder Parkstreifen – für ein Gerüst zu nutzen. In Bayern wird sie nach Art. 18 BayStrWG nur auf Zeit oder auf Widerruf erteilt; Gebühren können erhoben werden. ↩
2Sondernutzung
Nutzung öffentlicher Straßen, Geh- und Parkflächen über den Gemeingebrauch hinaus – etwa durch ein Gerüst auf dem Gehweg. In Bayern bedarf sie der Erlaubnis, wenn sie den Gemeingebrauch beeinträchtigen kann (Art. 18 BayStrWG). ↩
3Art. 18 BayStrWG
Zentrale Vorschrift des Bayerischen Straßen- und Wegegesetzes zur Sondernutzung: Die Benutzung über den Gemeingebrauch hinaus bedarf der Erlaubnis, wenn sie ihn beeinträchtigen kann; erteilt wird nur auf Zeit oder auf Widerruf. Ausnahme: Art. 21. ↩
4Standzeit
Zeitraum, in dem ein Gerüst steht und dem Auftraggeber überlassen ist. Eine gesetzliche Höchstdauer gibt es nicht; Grenzen setzen der Vertrag, die Sondernutzungserlaubnis, laufende Prüfpflichten und das Nachbarrecht. ↩
5Absperrung
Einrichtung, die Gefahren- und Arbeitsbereiche am Gerüst gegen unbefugtes Betreten abgrenzt – etwa Bauzäune, Gitter oder markierte Sperrbereiche unter Montage- und Anlieferzonen. ↩
6Schutzdach
Auskragendes Bauteil am Fassadengerüst, das darunterliegende Verkehrsflächen gegen herabfallende Gegenstände sichert. Die DGUV Information 201-011 nennt es als Beispiel einer Sicherung, wenn sich ein gefährdeter Bereich nicht absperren lässt. ↩
7Auf- und Abbau (Montagekosten)
Kernposition jeder Gerüstrechnung: Lieferung, Montage und späterer Abbau des Gerüsts. In Bayern 2026 üblich sind 7 bis 12 Euro pro m² Gerüstfläche; eine Grundstandzeit von rund drei bis vier Wochen ist meist enthalten. ↩
8Halteverbotszone
Temporäres Halteverbot, das Stellflächen für Lkw und Montage beim Auf- und Abbau eines Gerüsts freihält. Es wird per verkehrsrechtlicher Anordnung bei der Straßenverkehrsbehörde beantragt. ↩
9Verankerung / Gerüstanker
Zug- und druckfeste Befestigung des Gerüsts an tragfähigen Bauteilen der Fassade, meist über Dübel und Ankerösen. Anzahl und Abstand richten sich nach dem Verankerungsraster der Aufbau- und Verwendungsanleitung. ↩
10Gestattung
Privatrechtliche Erlaubnis eines Eigentümers, dessen Fläche für ein Gerüst zu nutzen – etwa Nachbargrundstück, Hof oder private Zufahrt. Sie ist das private Gegenstück zur öffentlich-rechtlichen Sondernutzungserlaubnis. ↩
Alle Begriffe im Gerüstbau-Lexikon →