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Baupreisindex August 2026: In Bayern Gerüstarbeiten +1,4 Prozent zum Vorjahr, Dachdeckung +8,0 Prozent

Symbolbild: Eingerüstetes Wohnhaus in Bayern mit Schutzwand an der Traufe; zwei Dachdecker, von hinten zu sehen, decken das Dach neu ein

Der amtliche Preisindex für Gerüstarbeiten in Bayern lag im August 2026 um 1,4 Prozent über dem Wert vom August 2025. Für Dachdeckungsarbeiten weist das Bayerische Landesamt für Statistik im selben Zeitraum 8,0 Prozent mehr aus, für den Neubau von Wohngebäuden insgesamt 4,6 Prozent. Bundesweit meldete das Statistische Bundesamt (Destatis) am 9. Oktober für Wohngebäude ein Plus von 5,5 Prozent und für Dachdeckungsarbeiten von 7,6 Prozent; für Gerüstarbeiten ergibt sich aus den Indexwerten nach eigener Berechnung ein Plus von 2,2 Prozent.

Der Baupreisindex misst keine Angebotspreise. Wir erstellen selbst Gerüstangebote und leiten aus diesen Zahlen keine Erwartung für Angebote ab – in keine Richtung.

Kurz gesagt: Nach unserer Zusammenstellung aus den amtlichen Werten zählen Gerüstarbeiten im Vorjahresvergleich zu den Bauarbeiten, deren Preisindex am wenigsten gestiegen ist – in Bayern wie im Bund. Dachdeckungs- und Klempnerarbeiten legten deutlich stärker zu; der Abstand zur Dachdeckung entstand vor allem zwischen Februar und Mai 2026. Erfasst werden Preise aus Verträgen, die im Berichtsmonat geschlossen wurden, für eine gleichbleibend beschriebene Leistung – nicht der Preis eines einzelnen Gerüsts. Für Dach und Gerüst nennen die Statistikämter keine Ursachen.

Die Zahlen: August 2026 gegen August 2025

Bauarbeiten / GebäudeartBayern IndexBayern ggü. Aug. 2025Bund IndexBund ggü. Aug. 2025
Wohngebäude insgesamt137,6+4,6 %141,7+5,5 %
Gerüstarbeiten120,6+1,4 %124,2+2,2 % (e)
Dachdeckungsarbeiten151,8+8,0 %152,0+7,6 %
Klempnerarbeiten147,5+9,2 %149,1+7,0 % (e)
Zimmer- und Holzbauarbeiten127,0+5,9 %131,9+7,2 %
Wärmedämm-Verbundsysteme1140,2+7,9 %144,8+5,7 %
Putz- und Stuckarbeiten140,2+6,6 %138,6+6,0 % (e)
Maler- und Lackierarbeiten126,5+0,7 %137,7+4,5 % (e)
Instandhaltung von Wohngebäuden140,7+4,6 %145,6+6,0 %

Indexstand August 2026: Durchschnitt 2021 = 100, einschließlich Umsatzsteuer. Alle Zeilen außer der letzten betreffen den Neubau von Wohngebäuden, die letzte die Instandhaltung von Wohngebäuden ohne Schönheitsreparaturen. Die bayerischen Veränderungsraten sind amtlich (Statistischer Bericht M I 4 vj 3/2026), die Bundesraten ohne Kennzeichnung ebenfalls (Pressemitteilung Nr. 360); (e) steht für eigene Berechnung aus den Indexwerten der Destatis-Datenbank GENESIS. Auf dem Smartphone lässt sich die Tabelle seitlich wischen.

Zwei Hinweise zum Lesen. Indexstände sind keine Preisniveaus: Dass der Index in Bayern bei 120,6 und im Bund bei 124,2 steht, heißt nicht, dass Gerüste in Bayern günstiger wären – beide Reihen setzen den Durchschnitt des Jahres 2021 gleich 100 und zeigen nur, wie sich die Preise seitdem verändert haben. Und dass Bund und Bayern auseinanderliegen, ist im Verfahren angelegt: Die Landesämter berechnen aus den Meldungen der Betriebe ihres Landes eigene Landesmesszahlen, Destatis bildet daraus einen mit den baugewerblichen Umsätzen der Länder gewogenen Bundeswert. Das Gewicht der Gerüstarbeiten ist in beiden Rechnungen dasselbe. Mehr lässt sich aus den Veröffentlichungen über den Unterschied nicht ablesen.

Was der Baupreisindex misst – und was nicht

Der Baupreisindex zeigt, wie sich die Preise für ausgewählte Bauleistungen über die Zeit verändern. Destatis beschreibt die gemeldeten Preise so: „Diese Preise sind Marktpreise bei Auftragsvergabe (keine Angebotspreise) ohne Umsatzsteuer.“ Die hier verwendeten Indizes sind einschließlich Umsatzsteuer ausgewiesen. Für den bayerischen Index befragt das Landesamt eine Auswahl von rund 650 Baubetrieben, jeweils für die Monate Februar, Mai, August und November: „Erfragt werden die im Berichtsmonat vertraglich vereinbarten Preise.“ Bundesweit melden rund 5.000 Unternehmen.

Damit nur reine Preisveränderungen sichtbar werden, halten die Ämter Leistung und Menge konstant. Hinter der Zeile „Gerüstarbeiten“ steht im Wägungsschema genau eine Bauleistung mit der Bezeichnung „Arbeitsgerüst“ (Nr. 158) – ein Name der Statistik, keine Angabe zur Bauart. Eine öffentliche Beschreibung mit Gerüstart, Fläche oder Standzeit2 gibt es dafür nicht; die Statistik beschreibt ihre Erhebungspositionen nur allgemein.

Daraus folgt: Der Index sagt

  • nichts über den Preis eines einzelnen Angebots oder einer einzelnen Rechnung,
  • nichts über Unterschiede innerhalb Bayerns – ausgewiesen wird nur ein Wert für das ganze Land,
  • nichts über Gerüstart, Standzeit oder Zuschläge in einem konkreten Projekt.

Was den Preis eines einzelnen Gerüsts bestimmt, beschreibt unser Beitrag 10 Faktoren, die den Gerüstpreis treiben.

Gerüst und Dach seit 2021

Liniendiagramm der Preisindizes für Gerüstarbeiten und Dachdeckungsarbeiten in Bayern und im Bund von Februar 2021 bis August 2026; die Dachdeckung steigt auf rund 152, die Gerüstarbeiten auf 120,6 in Bayern und 124,2 im Bund
Preisindizes für Gerüstarbeiten und Dachdeckungsarbeiten im Neubau von Wohngebäuden. Quellen: Bayerisches Landesamt für Statistik, Statistische Berichte M I 4 vj 3/2026 und vj 1/2025; Statistisches Bundesamt, GENESIS 61261-0002 (Stand: 9. Oktober 2026)

Gegenüber dem Durchschnitt des Basisjahres 2021 liegt der Index für Gerüstarbeiten in Bayern um 20,6 Prozent höher, der für Dachdeckungsarbeiten um 51,8 Prozent; im Bund sind es 24,2 und 52,0 Prozent (eigene Berechnung aus den Indexständen). Beide Indizes stiegen 2022 kräftig. Danach bewegte sich der bayerische Gerüstindex zwischen 115 und 121, während der Dachindex weiter zulegte.

Der Abstand im Vorjahresvergleich entstand vor allem zwischen Februar und Mai 2026: In diesen drei Monaten stieg der bayerische Index für Dachdeckungsarbeiten um 4,8 Prozent, der für Gerüstarbeiten um 0,3 Prozent (amtliche Veränderung zur Vorperiode). Von Mai bis August 2026 legten in Bayern beide um 0,6 Prozent zu.

Neue Dachziegel und eine Rolle Unterspannbahn auf den Bohlen eines Gerüsts an der Traufe, dahinter die neu gelattete Dachfläche
Symbolbild: Dach und Gerüst erfasst die Preisstatistik als getrennte Bauarbeiten

Wo die Gerüstarbeiten im Vergleich stehen

Eine Rangliste veröffentlichen die Ämter nicht; für Bayern haben wir sie aus den amtlichen Veränderungsraten zusammengestellt, für den Bund aus den Indexwerten berechnet. In Bayern legten von 36 ausgewiesenen Bauarbeiten im Neubau von Wohngebäuden nur vier weniger zu als die Gerüstarbeiten: Tapezierarbeiten und Aufzugsanlagen (je −0,3 Prozent), Maler- und Lackierarbeiten (+0,7 Prozent) sowie Fliesen- und Plattenarbeiten (+1,0 Prozent). Stahlbauarbeiten stiegen gleich stark. Am deutlichsten zogen Beschlagarbeiten (+12,7 Prozent), Klempnerarbeiten (+9,2 Prozent) und vorgehängte hinterlüftete Fassaden (+9,1 Prozent) an. Im Bund liegen die Gerüstarbeiten nach eigener Berechnung auf Platz 34 von 36; dahinter folgen nur Stahlbauarbeiten und Aufzugsanlagen.

Wie schwer die einzelnen Bauarbeiten im Index wiegen, legt das Wägungsschema mit Basis 2021 fest. Im Neubau von Wohngebäuden entfallen auf Gerüstarbeiten 10,58 Promille, auf Dachdeckungsarbeiten 45,01 Promille; im Index für die Instandhaltung von Wohngebäuden sind es 35,14 und 80,41 Promille. Diese Gewichte stammen aus Abrechnungen ausgewählter Baumaßnahmen – über den Anteil des Gerüsts an einem einzelnen Projekt sagen sie nichts. Eine eigene Messung für Sanierungen gibt es bei den Gerüstarbeiten übrigens nicht: Der Instandhaltungsindex verwendet dieselbe Messzahl wie der Neubauindex, nur mit anderem Gewicht.

Ursachen: Was die Statistikämter dazu schreiben

Destatis nennt in seiner Pressemitteilung keine Gründe für die Entwicklung. Das Landesamt ordnet in seiner Pressemitteilung vom 29. September den Anstieg des bayerischen Gesamtindex für Wohngebäude um 4,6 Prozent als stärkste Zunahme seit August 2023 ein und äußert dazu eine Vermutung: „Dieser deutliche Anstieg der Baupreise dürfte auf die zuletzt stark gestiegenen Energiepreise sowie die insbesondere energieintensiv hergestellten Baumaterialien zurückzuführen sein.“ Diese Einschätzung gilt dem Gesamtindex. Für Dachdeckung oder Gerüstarbeiten im Einzelnen nennt keines der beiden Ämter eine Ursache – und wir ergänzen auch keine.

Index und Tariflohn: zwei verschiedene Größen

Berichtsmonat der Zahlen ist der August 2026. Die zweite Stufe des Lohntarifvertrags im Gerüstbauerhandwerk gilt seit dem 1. Oktober 2026, also nach diesem Berichtsmonat. Ob Betriebe sie in Verträge, die im August geschlossen wurden, bereits eingerechnet haben, lässt sich am Index nicht ablesen. Destatis grenzt den Baupreisindex zudem selbst von einer anderen Reihe ab: „Baupreisindizes zeigen die Entwicklung der Erzeuger-Verkaufspreise für das Baugewerbe.“ Wie sich die Preise dessen entwickeln, was Bauunternehmen beim Neubau von Wohngebäuden selbst einsetzen – vor allem Arbeit und Material –, bildet dagegen der gesondert berechnete Baukostenindex ab. Die Pressemitteilungen beider Ämter zum August 2026 erwähnen weder Löhne noch Tarifstufen. Was die Tarifstufe für ein Gerüstangebot bedeutet und was nicht, steht in unserem Beitrag zur Tarifstufe vom 1. Oktober 2026.

Fazit

Im August 2026 lag der amtliche Preisindex für Gerüstarbeiten in Bayern 1,4 Prozent über dem Vorjahresmonat, im Bund nach eigener Berechnung 2,2 Prozent. Dachdeckungsarbeiten legten deutlich stärker zu, um 8,0 Prozent in Bayern und 7,6 Prozent im Bund. Seit 2021 ist der Abstand zwischen den Indizes für Dach und Gerüst gewachsen, zuletzt vor allem zwischen Februar und Mai 2026. Die Werte für den Berichtsmonat November 2026 veröffentlicht Destatis spätestens am 15. Januar 2027.

Dieser Beitrag gibt amtliche Statistik wieder (Stand: 19. Oktober 2026); eigene Berechnungen sind als solche gekennzeichnet. Er ersetzt keine Rechts- oder sonstige Beratung im Einzelfall. Wir erstellen selbst Gerüstangebote und leiten aus den Indexwerten keine Preiserwartung ab, weder für unsere noch für andere Angebote.

Quellen (Stand: 19. Oktober 2026)

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Begriffe auf dieser Seite

1WDVS
Wärmedämm-Verbundsystem: außenliegende Fassadendämmung aus geklebten und gedübelten Dämmplatten mit Armierungsschicht und Putz. Die Montage erfolgt vom Fassadengerüst aus, dessen Planung zur Dämmstärke passen muss. ↩
2Standzeit
Zeitraum, in dem ein Gerüst steht und dem Auftraggeber überlassen ist. Eine gesetzliche Höchstdauer gibt es nicht; Grenzen setzen der Vertrag, die Sondernutzungserlaubnis, laufende Prüfpflichten und das Nachbarrecht. ↩
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