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Bau-Boom in Bayern: 12,3 Prozent mehr genehmigte Wohnungen – und die Auftragsbücher füllen sich schon

Bau-Boom in Bayern: eingerüstete Fassaden und Kran über einem Neubau in dichter Stadtlage

Der bayerische Wohnungsbau meldet sich zurück: 29.155 Wohnungen wurden im ersten Halbjahr 2026 genehmigt – 12,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Bayerische Bauministerium auf Basis der Zahlen des Landesamts für Statistik am 7. August mitteilte. Und anders als in den vergangenen Jahren bleibt es nicht bei Papier: Der Auftragseingang im bayerischen Bauhauptgewerbe sprang im Juni um 25 Prozent nach oben. Für alle, die 2026 oder 2027 bauen oder sanieren wollen, ist das eine doppelte Nachricht – eine gute und eine, die man auf dem Zettel haben sollte. Hier die Zahlen, die Bezirks-Bilanz und was das für Gerüst-Termine bedeutet.

Die Halbjahresbilanz: das Plus steht auf breiter Basis

Die Detailzahlen, die der VdW Bayern auf Basis des Landesamts für Statistik meldet, zeigen: Der Zuwachs hängt nicht an einem einzelnen Segment.

Kennzahl1. Halbjahr 2026
Genehmigte Wohnungen gesamt29.155 (+12,3 %)
Zweifamilienhäuser+36,3 %
Mehrfamilienhäuser+18,1 %
Genehmigungen in den Landkreisen+19,0 %

Bemerkenswert ist der Sprung bei den Zweifamilienhäusern – ein Segment, in dem private Bauherren dominieren. Auch bundesweit zeigt der Trend nach oben: Im Mai wurden laut Statistischem Bundesamt 24,7 Prozent mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahresmonat, von Januar bis Mai summiert sich das Plus auf 15,4 Prozent.

Die Bezirks-Bilanz: drei Gewinner, zwei fränkische Verlierer

Innerhalb Bayerns ist der Boom allerdings sehr ungleich verteilt:

Balkendiagramm: Baugenehmigungen im 1. Halbjahr 2026 nach Regierungsbezirken – Oberbayern, Oberpfalz und Unterfranken je rund +25 Prozent, Schwaben +13 Prozent, Niederbayern, Oberfranken und Mittelfranken im Minus
Drei Bezirke tragen den Boom: Oberbayern, Oberpfalz und Unterfranken legen je rund 25 Prozent zu – Ober- und Mittelfranken schrumpfen
RegierungsbezirkGenehmigungen 1. Halbjahr 2026Unsere Region
Oberbayernca. +25 %Gerüstbau München
Oberpfalzca. +25 %Gerüstbau Regensburg
Unterfrankenca. +25 %Gerüstbau Würzburg
Schwaben+13,0 %Gerüstbau Augsburg
Niederbayern−2,3 %Gerüstbau Landshut
Oberfranken−13,2 %Gerüstbau Bayreuth
Mittelfranken−13,9 %Gerüstbau Nürnberg

Wer die Schlagzeile „+12,3 Prozent" also auf seine Region überträgt, sollte zweimal hinschauen: In Oberbayern, der Oberpfalz und Unterfranken wächst die Pipeline um rund ein Viertel – in Mittelfranken und Oberfranken ist sie dagegen geschrumpft. Für Bauherren in den Boom-Bezirken heißt das perspektivisch: mehr Baustellen, die um dieselben Handwerker- und Gerüstkapazitäten konkurrieren.

Volle Auftragsbücher: der Juni bringt +25 Prozent

Genehmigungen sind Zukunftsmusik – Aufträge sind Gegenwart. Und hier liefert das Landesamt für Statistik die eigentliche Nachricht des Monats: Im Juni 2026 verbuchte das bayerische Bauhauptgewerbe 2,32 Milliarden Euro an neuen Aufträgen, ein Plus von 25,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Größter Treiber war der gewerbliche und industrielle Hochbau mit +77,5 Prozent. Der Umsatz stieg auf 2,14 Milliarden Euro (+11,7 Prozent), rund 107.500 Menschen sind in der Branche beschäftigt.

Volle Auftragsbücher: Rohbau eines Gewerbebaus mit Gerüst und Kran
Der gewerbliche Hochbau treibt das Auftragsplus: plus 77,5 Prozent im Juni
Zur Einordnung: Von einer Rückkehr zu alten Höchstständen ist der Wohnungsbau weit entfernt. Preisbereinigt liegt der Auftragseingang im Wohnungsbau laut Landesamt noch gut 13 Prozentpunkte unter dem Niveau vom Juni 2021, und das ifo-Institut meldete für den Juni ein Wohnungsbauklima von −31,0 Punkten – 43,7 Prozent der Betriebe klagten über Auftragsmangel. Der Boom ist also vor allem einer der Genehmigungen und des gewerblichen Hochbaus. Aber genau so beginnen Zyklen: erst die Genehmigung, dann die Baustelle.

Was das für Bauherren und Sanierer bedeutet

Zwischen Baugenehmigung und Baubeginn vergehen in der Regel viele Monate – die heute genehmigten 29.155 Wohnungen werden also überwiegend 2027 zu Baustellen. Die Auftragsbücher füllen sich aber schon jetzt. Wer in einem der Boom-Bezirke eine Fassadensanierung oder einen Anbau plant, hat daraus zwei praktische Konsequenzen:

  1. Früh anfragen: Wer früh anfragt, hat bei den Terminfenstern die größere Auswahl. Zieht die Bautätigkeit 2027 an, können freie Termine knapper werden.
  2. Angebote vergleichen: Gerade beim Gerüst lohnt der Vergleich – die Preisfaktoren unterscheiden sich je nach Region und Auslastung erheblich, und die Kosten am Einfamilienhaus hängen stark von Standzeit und Saison ab.

Update vom 24. August: die Bundeszahlen sind da – und noch stärker

Am 18. August hat das Statistische Bundesamt die Halbjahresbilanz für ganz Deutschland vorgelegt, und sie fällt sogar kräftiger aus als die bayerische: 126.300 genehmigte Wohnungen im ersten Halbjahr 2026, ein Plus von 15,1 Prozent oder 16.600 Wohnungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Juni allein genehmigten die Bauaufsichtsbehörden 21.600 Wohnungen (+13,8 Prozent).

1. Halbjahr 2026DeutschlandBayern
Genehmigte Wohnungen126.300 (+15,1 %)29.155 (+12,3 %)
Zweifamilienhäuser+27,3 %+36,3 %
Mehrfamilienhäuser+16,9 %+18,1 %

Der Trend ist also kein bayerisches Sonderphänomen – aber Bayern liegt beim Gesamtplus etwas unter dem Bundesdurchschnitt, während der Freistaat beim Zweifamilienhaus sogar deutlich stärker zulegt. Bundesweit wurden im Halbjahr 24.000 Einfamilienhäuser genehmigt (+12,7 Prozent), in Mehrfamilienhäusern 67.000 Neubauwohnungen.

Zwei Einordnungen liefert Destatis gleich mit – eine gute und eine dämpfende: Stärker als jetzt ist die Zahl der Genehmigungen in einem ersten Halbjahr zuletzt 2016 gestiegen (+30,4 Prozent auf damals 182.800 Wohnungen). Gleichzeitig betont die Behörde, dass der Anstieg „vom niedrigen Niveau der ersten sechs Monate der Jahre 2024 und 2025" ausgeht – damals waren es 106.700 beziehungsweise 109.800 Wohnungen. Das Wachstum ist real, das Ausgangsniveau bleibt niedrig.

Update vom 21. September: die Juli-Zahlen – das Tempo lässt nach

Seit dem 18. September liegen die Bundeszahlen für Juli vor, seit dem 15. September die bayerischen Daten zum Bauhauptgewerbe. Sie bestätigen den Aufwärtstrend – und zeigen zugleich, dass er an Tempo verliert.

Bundesweit wurden von Januar bis Juli 2026 148.800 Wohnungen genehmigt, 12,9 Prozent oder 17.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Juli allein brachte 22.500 Genehmigungen, nur noch 1,9 Prozent mehr als im Juli 2025. Auffällig ist die Verteilung: Im Neubau lag das Juli-Plus bei 0,8 Prozent, bei Wohnungen, die durch den Umbau bestehender Gebäude entstehen, bei 7,0 Prozent. Im Neubau von Wohngebäuden entfielen nach sieben Monaten 27.900 Genehmigungen auf Einfamilienhäuser (+9,7 Prozent), 8.900 genehmigte Wohnungen auf Zweifamilienhäuser (+25,0 Prozent) und 79.700 auf Mehrfamilienhäuser (+15,1 Prozent); in Wohnheimen sank die Zahl auf 4.700 Wohnungen (−6,2 Prozent).

Für Bayern weist das Landesamt für Statistik in seinem Monatsbericht für Januar bis Juli 33.915 genehmigte Wohnungen aus; im selben Zeitraum wurden 8.459 neue Wohngebäude mit einer oder zwei Wohnungen genehmigt. Gemessen an der Summe der Vorjahresmonate (30.802 Wohnungen) ist das nach unserer Rechnung ein Plus von rund 10 Prozent – nach 12,3 Prozent zur Jahresmitte. Der Juli selbst lag mit 4.760 Wohnungen knapp unter dem Vorjahresmonat (4.843). Für einen Trendbruch reicht das nicht: Destatis weist darauf hin, dass Baugenehmigungen „häufig nicht in den Berichtsmonat ihrer Erteilung, sondern durch Nachmeldungen der Baubehörden erst später in die Statistik einfließen“, und das Landesamt betont den vorläufigen Charakter seiner Monatsergebnisse. Dass einzelne Monatswerte deshalb wenig tragen, ist unsere Folgerung.

Deutlicher ist die Abkühlung bei den Aufträgen. Der Umsatz des bayerischen Bauhauptgewerbes lag im Juli mit 2,47 Milliarden Euro 9,6 Prozent über dem Vorjahresmonat, der Auftragseingang mit 1,9 Milliarden Euro aber „nur knapp über Vorjahresniveau (+0,2 Prozent)“ – nach plus 25 Prozent im Juni. Im Wohnungsbau gingen die Auftragseingänge um 8,2 Prozent zurück; gestützt wird die Gesamtentwicklung laut Landesamt von Projekten für Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Für Auftraggeber heißt das: Das Wachstum hält an, aber es verlangsamt sich. Wie sich Angebote entwickeln, lässt sich aus diesen Zahlen nicht ableiten.

Fazit

Bayerns Baugenehmigungen wachsen zweistellig, die Auftragsbücher des Bauhauptgewerbes füllen sich, und drei Bezirke – Oberbayern, Oberpfalz, Unterfranken – tragen einen Boom, der in Ober- und Mittelfranken (noch) nicht angekommen ist. Für Hausbesitzer und Bauherren ist das kein Grund zur Hektik, aber ein klares Signal für die Planung: Wer ein Projekt für 2026/27 plant, sollte Handwerker und Gerüst früh in die Terminplanung einbeziehen; wie sich Angebote entwickeln, lässt sich aus der Statistik nicht ableiten.

Quellen (Stand: 21. September 2026)

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